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19.01.2017, www.ag-osteland.de

Der Landkreis Cuxhaven zeigt sich seiner Verantwortung für die Oste-Schwebefähre, sein einziges Bauwerk von Weltrang, mittlerweile bewusst. Das brachten gestern einmütig die Mitglieder des Kreis-Bauausschusses zum Ausdruck.

In Angriff genommen werden soll, endlich, die mehrfach verschobene Sockel-Sanierung (auf den Kreis entfallende Kosten: 150.000 Euro) ebenso wie die nach zwölf Jahren fällige turnusmäßige Rundum-Erneuerung des Rostschutzes.

Schwebefähren-Freunde in aller Welt wissen seit über 100 Jahren: Der schlimmste Feind aller Stahlfachwerkbauten – vom Eiffelturm bis hin zur Ostefähre - ist der Rost. Ebenso wie in Paris muss daher auch am "Eiffelturm des Nordens", der zur Zeit einzigen funktionsfähigen Schwebefähre Deutschlands, immer wieder neue Farbe aufgetragen werden.

Vor dem Ausschuß erläuterte Birgit Greiner, in der Kreisverwaltung zuständig für den Baudenkmalschutz und eine der weltweit besten Schwebefähren-Expertinnen, sehr überzeugend den Stellenwert des Bauwerks:

"Die Schwebefähre besitzt eine regionale, nationale sowie internationale Bedeutung und ist in der gesamten Bundesrepublik bekannt und populär. Weltweit wurden insgesamt 16 Schwebefähren erbaut, u. a. in Brasilien, USA und Tunesien. Die Hälfte davon existiert nicht mehr. Lediglich acht zum Teil in Größe und Funktion recht unterschiedliche Schwebefähren konnten noch auf der Welt erhalten werden. Sie befinden sich in Bilbao (Spanien), Rochefort (Frankreich), Newport, Middlesborough und Warrington (England), La Boca (Argentinien), Rendsburg und Osten (Deutschland)."

In Verbindung mit der wissenschaftlichen Bedeutung, die sich aus der ingenieurmäßigen Entwicklung dieses Bautyps ableitet und aus ihrem Seltenheitswert, genießen die noch verbliebenen acht Schwebefähren in denkmalrechtlicher Hinsicht heute in allen beteiligten Ländern einen besonders hohen Stellenwert.

Auf Landesebene wurde die Schwebefähre im Jahre 1974 offiziell vom Landesamt für Denkmalpflege als technisches Baudenkmal unter Schutz gestellt. Auf Bundesebene wurde die Fähre aufgrund der Besonderheit ihrer Konstruktion, ihres hohen Seltenheitswertes und ihrer Originalität im Jahre 1993 in das Programm des Bundesministers des Inneren zur Erhaltung und zum Wiederaufbau von Baudenkmalen mit besonderer nationaler kultureller Bedeutung aufgenommen. Sie besitzt damit den Wert eines national herausragenden Kulturdenkmals.

Wie hoch der Wert der Schwebefähren weltweit einzustufen ist, lässt sich auch daran erkennen, dass die acht noch auf der Welt existierenden Schwebefähren vom Internationalen Council on Monuments and Sites (ICMS), dem UNESCO-Beratergremium, für das Weltkulturerbe der Vereinten Nationen vorgeschlagen worden sind.

Um diesen höchst möglichen Status in Sachen Denkmalschutz zu erreichen, wurde am 19. 9. 2003 unter großem Medieninteresse mit Vertretern aller Schwebefähren in Spanien ein Weltverband als Dachverband der nationalen Verbände gegründet, der unter der Schirmherrschaft des Ehrenvorsitzenden, dem spanischen König Juan Carlos I., steht. Sollte in einigen Jahren der Status Welterbe den beiden deutschen Schwebefähren zuerkannt werden, stehen völlig andere Fördertöpfe für Sanierungsvorhaben oder für touristische Inwertsetzungen offen.

Neben der internationalen Bedeutung ist aber auch die nationale und regionale Bedeutung von großem Interesse.

Seitdem die Schwebefähre in den Jahren 2004 bis 2006 unter großem Medieninteresse saniert worden ist, sind die Übernachtungszahlen und die Zahl der Tagesgäste in der Samtgemeinde Hemmoor sprunghaft angestiegen. Laut Auskunft des Fördervereines zur Erhaltung der Schwebefähre Osten wurden in diesem Jahr rund 70.000 Besucher an der Fähre gezählt.

Durch die engen Kontakte mit den verantwortlichen Behörden der Rendsburger Fähre wurden gemeinsam das Projekt „Deutsche Fährstraße“ und die AG Osteland ins Leben gerufen. So ist die Region Oste durch die Aktivitäten rund um die Schwebefähre in den Blickpunkt von Gästen und Medien geraten.

Seit der Sanierung wird in jedem Jahr in unregelmäßigen Abständen immer wieder im Fernsehen über die Schwebefähre berichtet.

Mit der Schwebefähre in Osten besitzt das Gebiet eine außerordentlich gute Möglichkeit, sich weltweit zu präsentieren und somit zusätzliche Besucher für das Gebiet zu interessieren. So weilten Vertreter der AG Osteland vor einigen Jahren auf Einladung der japanischen Regierung u. a. in Tokio.

Das Ostener Technikdenkmal landete 2007 nach einem bundesweiten Aufruf des ZDF zur Wahl des beliebtesten Denkmals in Deutschland auf dem dritten Platz. Zudem landete sie bei der Wahl der schönsten Brücke Deutschlands im Jahre 2008 auf dem fünften Platz. Ferner wurde das Bauwerk von der Ingenieurskammer Niedersachsen mit einer Auszeichnung als „bedeutendes Zeugnis der Ingenieurskunst“ versehen.

Nach dem Vortrag von Birgit Greiner, die für Ihren Einsatz für das Bauwerk bereits vor Jahren mit dem Oste-Kulturpreis Goldener Hecht geehrt worden war, folgte der Ausschuss einstimmig dem Beschlussvorschlag des Landrates:

"Die Kreisverwaltung wird beauftragt, im Zusammenhang mit der Schwebefähre Osten-Hemmoor die Sanierung der Fundamente weiter voranzutreiben und in 2017 zu vollziehen. Ein Sanierungskonzept für das Stahlbauwerk ist zu erstellen. Die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen sind in Abstimmung mit dem Fördergesellschaft zur Erhaltung der Schwebefähre Osten - Hemmoor e. V. vorzunehmen."

Zuvor hatte die Kreisverwaltung schriftlich ausführlich über den Zustand des Bauwerks und das weitere Vorgehen berichtet.

Danach ist für dieses Jahr die Fundamentsanierung der Schwebefähre geplant. Dazu heißt es: "Ein entsprechendes Ingenieurbüro wurde mit der Erstellung eines Sanierungskonzeptes bereits im letzten Jahr beauftragt. Erfreulich dabei ist, dass nach den Bemühungen unterschiedlicher Fachbereiche der Kreisverwaltung nach einer vorsichtigen Einschätzung eine maximale Förderquote von zurzeit bis zu 750.000 € für die Sanierungsarbeiten erzielt werden kann.

Es wurde in der (vorigen) Sitzung jedoch darauf hingewiesen, dass eine Begutachtung des Stahlgerüstes der Schwebefähre im August 2016 ergeben habe, dass der Landkreis Cuxhaven spätestens in drei Jahren den Oberbau der Schwebefähre ebenfalls sanieren muss. Das Bauwerksgutachten liegt dem Landkreis Cuxhaven seit November 2016 vor.

Die letzte Sanierung der Stahlkonstruktion wurde im Jahr 2005 durchgeführt. Ohne eine Instandsetzung der Stahlkonstruktion werde der kritische Bauwerkszustand spätestens in drei Jahren erreicht, was zu einer Nutzungseinschränkung oder gar -untersagung führen kann.

Die hierfür erforderlichen Arbeiten sind ebenfalls sehr kostenintensiv. Der Bauwerksgutachter beziffert die Kosten nach einer ersten sehr groben Schätzung auf ca. 2.000.000 Euro. Vor 12 Jahren haben die Ausbesserungsarbeiten bereits 1.208.700 Euro gekostet. Allein für die Baustelleneinrichtung sowie die Einrüstung der Stahlkonstruktion wurden 385.519,56 Euro aufgewendet.

Der Bauwerksgutachter gab bei seiner Einschätzung vom Dezember 2016 allerdings zu bedenken, dass eine belastbare Kostenschätzung zurzeit eigentlich nicht möglich ist, da folgende Faktoren nicht abschätzbar sind:

  • Umweltschutz-Bedingungen: Erfordernis von Einhausungen bei der Entfernung der vorhandenen Beschichtung,
  • Aufwand der erforderlichen Sanierung: Die Schwere der Schädigung und der daraus resultierende Sanierungsumfang lässt sich erst nach Entfernung der Beschichtung und zusätzlicher mechanischer Bearbeitung feststellen.

Bei der letzten Sanierung des Stahlbaus im Jahr 2005 fielen die Kosten erheblich höher aus als geschätzt. Dies ist auch eine Erfahrung bei anderen Bauwerken, z. B. der Kaiserschleuse in Wilhelmshaven. Es ist praktisch für die Planer unmöglich, hier für genietete Konstruktionen der Zeit um 1900 eine verlässliche Schätzung allein aus optischer Begutachtung abzugeben. Der Umfang bzw. auch die Qualität der Sanierung wird mit der letzten Sanierung aus dem Jahr 2005 vergleichbar angesetzt.

Schadhafte Knotenpunkte lassen sich nicht ohne weiteres austauschen, da die Stabilität des Bauwerkes ansonsten gefährdet wäre. Diese Knotenpunkte würden so gut es geht behandelt und konserviert, nur im bedarfsweisen Ausnahmefall aufgrund der nicht mehr gegebenen Statik grundinstand gesetzt bzw. ausgetauscht. Aus diesem Grund wird auch die Haltbarkeit und Dauerhaftigkeit der Sanierungsarbeiten nur mit der damaligen Sanierung vergleichbar werden.

Andere Stahlbauwerke gleicher Bauart unterliegen zur Sicherstellung der Dauerhaftigkeit ständigen Erneuerungsarbeiten des Korrosionsschutzes. Dieses konnte durch die Kreisverwaltung aufgrund mangelnder finanzieller Mittel in der Vergangenheit nicht gewährleistet werden."