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Niederelbe-Zeitung, 20. Januar 2016

Von Egbert Schröder

Es ist ein ehrgeiziges Ziel: Seit Jahren laufen die Gespräche über die Anerkennung der Schwebefähre Osten-Hemmoor als „Unesco“-Weltkulturerbe. Ein internationales Projekt: Dieser Status soll auch für die anderen historischen Schwebefähren in Frankreich, Deutschland, England und Argentinien durch eine gemeinsame Initiative erreicht werden.

Nach vielversprechenden Gesprächen Ende 2015 gab es gleich zu Jahresbeginn aber einen Rückschlag: Nach der Kollision mit einem Frachter ist das Schicksal der schwer beschädigten Schwebefähre Rendsburg-Osterrönfeld völlig ungewiss. Und damit sind auch die Folgen für die Weltkulturerbe-Bestrebungen (noch) nicht absehbar.

Bei einer Anerkennung als offizielles Weltkulturerbe würde die über 100 Jahre alte Ostener Schwebefähre – zumindest auf dem Papier – in einer Liga mit dem Kreml in Moskau, der Akropolis in Athen, dem Tower in London, der Oper in Sydney, dem Kölner Dom oder der Hamburger Speicherstadt spielen. Die Hamburger erhielten erst im vergangenen Jahr den „Weltkulturerbe“-Titel, an der Oste arbeitet man beharrlich daran, dass auch die Schwebefähre mittel- und langfristig folgt. Denn eines ist inzwischen klar geworden: Bei dem Titeltraum ist – so Samtgemeindebürgermeister Dirk Brauer – ein „längerer Atem“ gefragt.

Schon 2003 war in Osten davon die Rede, das scheinbar Unmögliche möglich zu machen, erinnert sich Jochen Bölsche, der damals im Vorstand der „Fördergesellschaft zur Erhaltung der Schwebefähre Osten-Hemmoor“ saß: „Da klang die Sache mit dem Unesco-Weltkulturerbe noch verwegen.“ Inzwischen stelle sich die Situation anders dar.

Klar ist, dass Osten oder Rendsburg keine Chance hätten, auf absehbare Zeit allein auf die deutsche Vorschlagsliste zu rutschen. Deutschland – so Bölsche – dürfe pro Jahr der Unesco höchstens zwei Vorschläge unterbreiten. Bis zum Jahr 2023 stünden die Kandidaten bereits fest.

Daher soll es über einen Umweg klappen – und zwar per Umweg über Argentinien. Der große Vorteil: In Südamerika gibt es bislang vergleichsweise wenige Kulturerbe-Titel. Sind es in Deutschland bereits knapp 40, so kommt Argentinien gerade einmal auf fünf. Die Planung: Nominiert Argentinien seine „Puente Transbordador Nicolás Avellaneda”, könnten per „Sammelantrag“ auch die anderen historischen Fähren in Frankreich, Großbritannien und Deutschland den Unesco-Titel erhalten, den die älteste Fähre der Welt im spanischen Bilbao bereits hat.

Ende des Jahres war der Optimismus in Osten und Rendsburg gewachsen, dass dieser Plan klappen könnte. Wie berichtet, gab es ein Gespräch mit Vertretern der Landesregierungen Niedersachsens und Schleswig-Holsteins. „Dort hat man erkannt, dass es ein überörtliches Interesse gibt“, so Verwaltungschef Dirk Brauer, der das Gespräch als einen „wichtigen Impuls“ sieht, um das Ziel zu erreichen.

Er verteidigt – ebenso wie die Bürgermeister Hans Wilhelm Saul (Hemmoor) und Carsten Hubert (Osten) – die im vergangenen Jahr abgeschlossenen Baumaßnahmen an beiden Seiten der Osten. Für sechsstellige Beträge waren der Fährplatz in Osten und ein Teilbereich des Fährumfeldes auf der Basbecker Seite saniert worden. Brauer: „Auch das Umfeld ist entscheidend, wenn es tatsächlich ernst wird mit der Entscheidung über die Anerkennung als Weltkulturerbe.“ Zwar – da sind sich alle Beteiligten auf beiden Seiten der Oste einig – „waren wir noch nie so weit wie heute“, doch ausgerechnet jetzt kam es zu einer folgenschweren Kollision der Rendsburger Schwebefähre mit einem Frachter.

Es ist bislang nicht abschätzbar, ob die Fähre noch zu retten ist oder es zu starke Beschädigungen gegeben hat. Weltweit ist die dortige Konstruktion einzigartig, denn es sind drei Verkehrswege miteinander verknüpft: Bahnverkehr oben auf der Brücke, Schiffsverkehr unten auf dem Nord-Ostsee-Kanal und der Straßenverkehr dazwischen auf der Schwebefähre.

Die Schwebefähre ist nicht nur ein Fall für die Lokalpolitiker in Rendsburg und Osterrönfeld, sondern auch für den Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU), da der Bund zuständig für die Brücke ist.

Ihm ist zwar bewusst, welche Bedeutung die Fähre für die Region und auch für den geplanten Unesco-Sammelantrag habe. Die weitere Planung für eine mögliche Instandsetzung und Fahrbereitschaft der Fähre hänge jedoch vom Ausmaß des Schadens ab. „Wenn die Fähre noch zu reparieren ist, dann wird sie auch repariert“, verspricht Ferlemann.

Wenn sich jedoch zeige, dass die Schäden nicht mehr zu beheben seien, sei die weitere Vorgehensweise noch nicht abgestimmt. Es könne dann durchaus darauf hinauslaufen, dass sie als Denkmal erhalten bleibe, aber wegen statischer Probleme nicht mehr als Transportmittel eingesetzt werde: „Das hängt jetzt ganz vom Urteil der Experten ab“, so der Staatssekretär und CDU-Bundestagsabgeordnete aus Cuxhaven.