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Ohne Sanierung droht erneut eine Stilllegung

Niederelbe-Zeitung, 1. Dezember 2016

Von Egbert Schröder

Das ist nicht aus der Portokasse zu finanzieren: Rund 900 000 Euro werden im kommenden Jahr für die Sanierung der Fundamente der Ostener Schwebefähre fällig. Und das ist noch die gute Nachricht. Die schlechte: Der Zustand der eigentlichen Fährkonstruktion hat sich verschlechtert, die Zahl der Rostflecken geht in die Hunderte. Ohne Grundsanierung droht die Stilllegung. Erfahrungen, wie teuer eine Sanierung sein kann, hat der Landkreis bereits vor mehr als zehn Jahren sammeln können: Damals wurden 1,2 Millionen Euro investiert.

Der Landkreis ist zwar Eigentümer dieses historischen Bauwerks, aber für den Fährbetrieb sorgt die „Fördergesellschaft zur Erhaltung der Schwebefähre Osten- Hemmoor“. Und der Begriff „Erhaltung“ rückt immer stärker in den Mittelpunkt.

Dass die „Eiserne Lady“ nasse Füße bekommt, war Politik und Verwaltung seit drei Jahren klar. Ein Gutachter hatte festgestellt, dass sich die ohnehin bereits vorhandenen Risse in der Außenhaut der Fundamente vergrößert hätten. Dadurch dringe Wasser in den Fundamentkern ein und verbinde sich mit dem Ziegelsplittbeton. „Das Betongefüge ist zerfallen, der Beton durchfeuchtet“, hieß es bereits im April 2014 bei der Kreisverwaltung. Damals ging man noch von Kosten für die Fundamentsanierung in Höhe von rund 500 000 Euro aus. Eine Fehleinschätzung: Inzwischen ist von etwa 900 000 Euro die Rede.

Ringen um Fördermittel

Wie gestern bekannt wurde, hat der Landkreis zahlreiche Stiftungen und Institutionen angeschrieben und um eine Mitfinanzierung gebeten. Rund 250 000 Euro fließen demnach auf jeden Fall aus einem Denkmalschutz-Topf des Landes Niedersachsen. Wenn alle beantragten Zuschüsse bewilligt und sich nicht gegenseitig werden formal ausschließen, dann könnten es am Ende – so die optimistische Schätzung des zuständigen Amtsleiters Andreas Lesch – maximal 750 000 Euro als Fördersumme sein.

Sein Chef, Dezernent Günter Jochimsen, ist da allerdings weniger euphorisch. Realistisch sei, dass rund die Hälfte der Sanierungskosten durch Zuschüsse finanziert werden.

Zeitlich unter Druck

Außerdem gibt es ein zeitliches Problem: Um zumindest die avisierten 250 000 Euro zu erhalten, muss die Sanierung zwingend im kommenden Jahr erfolgen, abgeschlossen und auch abgerechnet werden. Wann die Bauarbeiter anrücken, ist unklar: Es könnte durchaus sein, dass die Fähre mitten in der Saison während der Sanierungsphase stillgelegt werden muss.

Eine Stilllegung droht dem „Technischen Baudenkmal“, das gleichzeitig auch als „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ offiziell anerkannt ist, auf jeden Fall in drei Jahren. Seit der umfassenden Sanierung des Oberbaus, die vor zehn Jahren abgeschlossen worden war, ist die Konstruktion trotz der üblichen Unterhaltungsmaßnahmen von Hunderten Roststellen übersät. Ein Gutachter – so Lesch – habe der Fähre die Note „3,4“ gegeben. Was als Schulnote noch durchgehen würde, ist in diesem Fall ein Alarmzeichen: Die Note von „3,5“ entspreche einem „kritischen Zustand“. Und das könne die Stilllegung des Fährbetriebes zur Folge haben.

Kein Fährbetrieb möglich

Sollte sich der Kreistag dafür entscheiden, den Rost flächendeckend entfernen zu lassen, so müsste man die gesamte Schwebefähre einrüsten, damit die Arbeiten erledigt werden könnten. In dieser Zeit wäre dann natürlich ebenfalls kein Fährbetrieb möglich.

Erfahrungen mit Stilllegungen haben die Ostener und Hemmoorer in der Vergangenheit bereits sammeln können: 1989 sorgten „technische Mängel“, die der TÜV festgestellt hatte, für eine Zwangspause. Im Jahre 2001 führten erhebliche Mängel des Traggerüstes und der Elektrik ebenfalls zum Stillstand.