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"Viele kommen nur zum Gucken"

Schwebefähre hat mit Fahrgastrückgang zu kämpfen / Antrag auf Anerkennung als Weltkulturerbe soll im November gestellt werden

VON THOMAS SCHULT

Eine durchwachsene Bilanz zog die Fördergesellschaft zu rErhaltung der Schwebefähre Osten-Hemmoor e.V. auf ihrer Hauptversammlung. Personalprobleme, schlechtes Wetter und rückläufige Fahrgastzahlen bereiteten den Verantwortlichen manche Sorgenfalte.

Die Schwebefähre in Osten ist und bleibt ein Anziehungspunkt für Einheimische und Touristen. Eben weil sie nicht nur als Wahrzeichen über dem Fluss thront, sondern ein Denkmal zum Anfassen und Erleben ist. Dies stellte Claus Johannßen als Vertreter des Eigentümers der „Eisernen Lady“, dem Landkreis Cuxhaven, in seiner Ansprache treffend fest. Womit er auch gleich zu den Problemen der Fördergesellschaft, die für den Betrieb der Fähre zuständig ist, überleitete.

Es fehlt an Personal

Technisch befindet sich das 104 Jahre alte Bauwerk in einem guten Zustand, wie eine Untersuchung des TÜV im Frühjahr 2013 ergab. Dies teilte der Vorsitzende der Gesellschaft Karl-Heinz Brinkmann in seinem Jahresbericht mit. Anders sehe es jedoch bei den Fährleuten aus. Es hätten zwar neun Männer im Februar die Prüfung zum Führen der Schwebefähre abgelegt, aber nur fünf von ihnen kamen in der abgelaufenen Saison vom 1. April bis zum 31. Oktober zum Einsatz. Brinkmanns Dank galt daher allen, die sich so stark eingebracht hätten und ganz besonders Werner Funk, der unzählige Extra-Schichten geleistet habe. Als sehr problematisch habe sich die Besetzung der „FährStuv“, dem Informationszentrum und Museum der Schwebefähre dargestellt. „Da wir im abgelaufenen Jahr keinen Bundesfreiwilligen finden konnten, war die „FährStuv“ nur am Wochenende geöffnet. Das hat sich natürlich negativ auf die Besucherzahlen niedergeschlagen“, sagte Brinkmann. Das schlechte Wetter im Frühsommer tat sein übriges, sodass insgesamt ein Rückgang an Fahrgästen von knapp zehn Prozent, absolut gesehen unter 50 000, zu verzeichnen gewesen sei.

Finanzen in Ordnung

Dies wirkte sich auch auf die Finanzen aus, wie Kassenführer Michael Faltin in seinem Bericht ausführte. Trotzdem konnte die Fördergesellschaft noch einen leichten Überschuss von etwa 4000 Euro erwirtschaften, der in die Rücklage für Instandhaltungsarbeiten einfließen werde. Die Mitgliederzahl hingegen habe sich leicht auf aktuell 250 erhöht. Gut angenommen wurde die Ferienpassaktion an der Schwebefähre, die in diesem Jahr zusammen mit der freiwilligen Feuerwehr Osten erneut durchgeführt werden soll. Auch der Fährmarkt im Mai, die Tage der Industriekultur am Wasser im August und der Tag des offenen Denkmals im September ließen die Fähre im Dauerbetrieb über die Oste schweben.

Geänderte Fahrzeiten

Dies könne jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Besucher nur zum Gucken kämen, die Fähre als beliebtes Fotomotiv auf ihren Kamerachip bannten, ohne mitzufahren, wie Karl-Heinz Brinkmann und die Fährmänner beobachtet hätten. Darum wollen sie zum Saisonstart am 1. April auch an beiden Ufern je eine Spendendose aufstellen in der Hoffnung, so etwas Geld für den Betrieb sammeln zu können.

Änderungen werde es auch bei den Fährzeiten geben. Im April und Oktober verkehrt die Fähre täglich nur noch von 12 bis 16 Uhr, im Mai und September von 11 bis 17 Uhr, jeweils im Stundentakt. In den Sommermonaten Juni, Juli, August von 10 bis 18 Uhr, alle 30 Minuten. Eine leichte Erhöhung wird es bei den Fahrpreisen geben, wie Brinkmann mitteilte. Gespannt sei er auf die geplante Umgestaltung der Fährplätze in Hemmoor und Osten: „Wir hoffen auf eine zügige Umsetzung und dass der Fährbetrieb nicht allzu stark leidet.“ Ostens Bürgermeister Carsten Hubert und Hemmoors Stadtdirektor Dirk Brauer sehen die Erneuerung der beiden Fährköpfe als Steigerung der Attraktivität der Schwebefähre. Beide hoffen darauf, dass die positive Gestaltung des Umfeldes eine Signalwirkung bei der Anerkennung der Schwebefähre zum UNESCO Weltkulturerbe haben werde.

Dem großen Ziel der Fördergesellschaft, wie deren stellvertretender Vorsitzender Lothar Klüser in seinem Bericht ausführte. Zusammen mit den Vertretern der Schwebefähren aus Argentinien, Spanien, Frankreich, Großbritannien und dem deutschen Partner Osterrönfeld soll der Antrag im November dieses Jahres bei dem 100-jährigen Geburtstag der Fähre in La Boca, Buenos Aires, auf den Weg gebracht werden. „Vielleicht sind wir dann 2016 bei einer Neuauflage des Buches über die UNESCO Welterben auch mit einem Eintrag darin vertreten“, so Klüser.

Für die Arbeitsgemeinschaft Osteland wies deren Vorsitzender Jochen Bölsche darauf hin, dass die beiden deutschen Schwebefähren an der Oste und am Nord-Ostsee-Kanal im Mai im Mittelpunkt einer Veranstaltungsreihe zum zehnjährigen Bestehen der Deutschen Fährstraße stehen werde.

Niederelbe-Zeitung, 27.01.2014