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Weltkulturerbe? Minister geben Votum für Fähre ab

Eine Jury der Kultusministerkonferenz soll noch in diesem Jahr tagen und über einen ungewöhnlichen Antrag entscheiden: Die deutschen Schwebefähren (Osten und Rendsburg) werden möglicherweise gemeinsam mit den Fähren in Frankreich, Argentinien, Spanien und vielleicht auch Großbritannien auf die Vorschlagsliste für das UNESCO-Weltkulturerbe gesetzt. Weltweiter „Artenschutz“ für die rüstigen (und teilweise rostigen) Baudenkmale? Das ist noch Zukunftsmusik. Unterdessen geht der Pendelverkehr zwischen Osten und Basbeck wie seit über 100 Jahren weiter: Winterschlaf kennt die „Eiserne Lady“ von der Oste nicht.

VON EGBERT SCHRÖDER

Die „Eiserne Lady“ schwebt auch in der kalten Jahreszeit über die Oste. In eine Winterstarre verfällt die „Schwebefähre Osten-Hemmoor“ nicht. „Wir fahren auch im Winter. Ein Anruf genügt“, sagt der Vorsitzende der Schwebefähren-Fördergesellschaft, Karl-Heinz Brinkmann.

Die Fahrten mit der Schwebefähre – sie sind inzwischen Alltagsgeschäft für Brinkmann, seine Mitstreiter und die Fährleute. Wenn am 1. April die Fährsaison mit den regelmäßigen Touren wieder offiziell eröffnet wird, setzt der Pendelverkehr zwischen Osten und Basbeck erst so richtig ein. In den Wintermonaten melden sich dagegen meist nur Boßelgruppen oder Veranstalter von Bustouren und vereinbaren einen Termin für eine Ostetour (Telefon: 01 72-6 61 84 67, Email: info@schwebefaehre-osten.de).

Der Bekanntheitsgrad der Schwebefähre Osten-Hemmoor könnte sich mittel- und langfristig schlagartig erhöhen, wenn auch dieses technische Baudenkmal auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes zu finden sein wird. In einer Liga mit dem Kölner Dom und der Chinesischen Mauer? Das ist schwierig, aber nicht unmöglich. So ist die „Vizcaya“- Brücke im spanischen Bilbao schon 2006 von der UNESCO mit dem Titel geadelt worden.

„Sammelantrag“ geplant

Damit haben die Fans der anderen weltweit noch vorhandenen sieben Schwebefähren bereits bei der Kommission einen Fuß in der Tür. Die Überlegung: Es soll nicht für jede einzelne Fähre der Antrag gestellt werden, als Weltkulturerbe anerkannt zu werden, sondern Ziel ist ein „Sammelantrag“ für die Fähren in Deutschland (Osten und Rendsburg), Argentinien (Buenos Aires), Frankreich (Rochefort) und Großbritannien (Newport, Middlesbrough und Warrington).

Argentinien fällt bei diesem internationalen Projekt eine Schlüsselrolle zu. Die Südamerikaner haben beim Weltkulturerbe Nachholbedarf und noch nicht einmal ein Dutzend Einträge auf der UNESCO-Liste. So soll Argentinien jetzt eine sogenannte „serielle internationale Antragserweiterung“ für die Schwebefähren auf den Weg bringen – und damit auch Osten zum begehrten Titel verhelfen.

In England hakt es noch

Bevor die Argentinier jedoch die kompletten Unterlagen einreichen können, müssen in den einzelnen Ländern noch Hausaufgaben erledigt werden. Relativ weit ist man in Deutschland, wo Osten und Rendsburg bereits im August 2012 für die nationale Vorschlagsliste für Kultur- und Naturstätten gemeldet wurden. Ob diese Vorschläge auch von der Kultusministerkonferenz abgenickt werden, zeigt sich im Laufe dieses Jahres. Nach Informationen unserer Zeitung gibt eine Fachjury noch in diesem Jahr im Auftrag der Kultusministerkonferenz ein Votum ab.

In Frankreich befindet sich das Antragsverfahren ebenfalls auf einem guten Weg, in England hakt es dagegen noch an Formalien. Doch nach Angaben von Experten, die das deutsche Verfahren begleiten, würde zunächst auch ohne englische Beteiligung der Sammelantrag für die vier französischen, deutschen und argentinischen Schwebefähren nicht gefährdet sein. Die englischen Fähren könnten möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt aufgenommen werden.

Projekte an beiden Ufern

Was aus der Anerkennung der Schwebefähre Osten-Hemmoor wird, verfolgt man auch im Hemmoorer Rathaus genau. Dort laufen nämlich die Vorbereitungen für zwei Projekte, mit denen das Umfeld der Schwebefähre optisch aufgewertet werden soll. So ist – wie berichtet – vorgesehen, den Fährplatz in Osten doch noch im Rahmen der Dorferneuerung neu zu gestalten. Und auch der Fährkopf auf der Basbecker Seite soll in diesem Jahr umfassend saniert werden. Beide Projekte koordiniert ein einziges Planungsbüro. Samtgemeindebürgermeister Dirk Brauer erhofft sich dadurch eine „Planung aus einem Guss“.

„Gute Aussichten“

Gleichzeitig holte er auch die Stellungnahme eines Experten ein, um die Chancen für die Anerkennung der Fähre als Weltkulturerbe auszuloten. Und Rolf Höhmann vom „Büro für Industriearchäologie“ ist optimistisch: „Die Aussichten sind wegen des internationalen Hintergrunds und der Erfüllung wichtiger Kriterien innerhalb zukünftiger Welterbeanträge generell als gut zu bezeichnen.“

Bei solchen Aussagen keimt an der Oste Hoffnung auf, dass man künftig die Bezeichnung „Schwebefähre Osten-Hemmoor“ auch international vermarkten kann. Doch bis es so weit ist, kümmern sich Karl-Heinz Brinkmann und sein Team erst einmal um naheliegende Aufgaben: An den Pfeilern bröckelt ein wenig der Putz und einzelne Roststellen müssen noch beseitigt werden. Kleine kosmetische Eingriffe, damit die „Eiserne Lady“ auch im Alter von über 100 Jahren noch schmuck aussieht...

Niederelbe-Zeitung, 12.01.2013