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Im Doppelpack an die Schwebefähre

Walter und Werner Funk sind als Fährmänner an der Schwebefähre im Einsatz / Am Karfreitag startet die „Eiserne Lady“ in die Saison

Foto: Thomas Schult, NEZSie trotzen WInd und Wetter, sind immer gut drauf und haben neben den vielen anderen Helfern großen Anteil daran, dass die Schwebefähre in Osten bei den Besuchern so beliebt ist. Walter und Werner Funk fahren zwar schon lange nicht mehr zur See, aber manchmal juckt es doch noch, dann ist die Fähre ein guter Ersatz.

Geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen sind die beiden Brüder zusammen mit ihren drei Geschwistern in Osten. „In der Deichstraße 18 haben wir gewohnt“, erzählt Werner, nicht nur der größere, sondern auch der ältere der beiden Brüder. Er lebt heute noch dort, Werner hat es immerhin ein paar Kilometer weiter bis nach Isensee geschafft. Ihr Berufsweg war schon früh vorgezeichnet.

Der Vater fuhr zur See, hatte später ein eigenes Küstenmotorschiff, die „Ursel Beate“. Da blieb den beiden Brüdern nicht viel anderes übrig, als auch dort anzuheuern. Werner hat sich vom Decksjungen bis zum Kapitän hochgearbeitet, den Beruf von der Pike auf gelernt: „So etwas gibt es heute gar nicht mehr, ohne Studium geht da nichts.“ Auch er hatte später sein eigenes Schiff, die „Walter Funk“, benannt nach seinem Vater. Bis 1976 war er damit auf Nord- und Ostsee unterwegs. Dann musste Werner das Schiff verkaufen. „Es hat sich einfach nicht mehr gelohnt. Die Frachtraten waren so niedrig, dass wir nicht mal unsere Unkosten reinfahren konnten.“

Die Brücke war zu niedrig...

Die „Walter Funk“ fährt heute übrigens immer noch, unter der Flagge der Solomon Islands im Pazifik. Eben ein gutes Schiff, gebaut 1950 auf der Meyer-Werft in Papenburg, sagt Walter Funk.

Und dann erzählt er noch die Sache mit der Havarie auf der Oste im Dezember 1972. Die Niederelbe-Zeitung titelte damals: „Kümo rammt Brücke“. Ein bisschen peinlich ist Werner die Geschichte schon, auch wenn er damals nicht am Ruder stand. Von der Elbe kommend wollten sie ihren Liegeplatz beim Wasser- und Schifffahrtsamt in Hemmoor anlaufen. Dabei mussten sie auch die gerade im Bau befindliche Brücke bei Osten passieren. Leider fehlten da so zehn Zentimeter an Höhe, wie Walter berichtet. „Als wir das bemerkten, war es auch schon zu spät und beim Versuch, voll rückwärts zu laufen, hat sich das Schiff dann mit dem Steven unter der Brücke verkeilt.“ Später bei ablaufendem Wasser haben sie die „Walter Funk“ wieder frei bekommen. „Kaputt gegangen ist nichts, aber da war ein unheimlicher Menschenauflauf am Deich“, erinnert sich Werner.

Die Schrammen an der Brücke sollen heute noch sichtbar sein, sagt er. Aber vielleicht ist das auch nur eine von seinen Seemannsgarn-Geschichten, die er den Touristen an der Fähre so gern erzählt. So wie die Story von der Weiche in der Mitte auf dem Weg nach Basbeck oder die Nummer von der Tochter des spanischen Königs. „Im Hamburger Hafen wird bei den Rundfahrten auch nicht immer die Wahrheit erzählt“, schmunzelt Walter.

Als Fotomodelle aktiv

Nach ihrer Seefahrerzeit haben die beiden Brüder bis zur Rente bei der AOS in Stade gearbeitet. Bei der Schwebefähre musterten sie danach im April 2010 an: „Man muss ja irgend etwas um die Ohren haben“, sagen sie. Seitdem sind sie von dort nicht mehr wegzudenken, an fünf von sieben Tagen in der Woche im Einsatz. Ganz nebenbei sind sie so auch zu den am häufigsten fotografierten Menschen in Osten geworden.

Aber Walter und Werner Funk fahren nicht nur Besucher über die Oste und erzählen ihnen dabei Geschichten, sondern sie halten die „Eiserne Lady“ auch instand. Das sei in diesem Jahr aufgrund des schlechten Wetters ein wenig zu kurz gekommen und so müssen sie die Arbeiten wohl während des Betriebs nachholen. Auf den Saisonstart am Karfreitag freuen sie sich trotzdem: „Wenn es sein muss, dann fahren wir auch im Schneegestöber.“

VON THOMAS SCHULT

Niederelbe-Zeitung, 28.03.2013