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Große Pläne auf beiden Seiten der Oste

Fährplätze in Osten und Basbeck sollen auf Vordermann gebracht werden

VON EGBERT SCHRÖDER

OSTEN / HEMMOOR. Die Schwebefähre als UNESCO-Weltkulturerbe? Damit aus dieser Vision Wirklichkeit wird, sind nicht nur gute Argumente, sondern auch Investitionen notwendig. Und anscheinend nicht nur am technischen Baudenkmal selbst: Vielmehr werden Pläne für die Umgestaltung der Ostener und Basbecker Fährplätze vorangetrieben, damit die Bewerbung als UNESCO-Weltkulturerbe nicht an einem wenig attraktiven Umfeld scheitert.

Wie berichtet, laufen hinter den Kulissen die Vorbereitungen für die Anerkennung der Fähre als Weltkulturerbe. Noch in diesem Jahr wird eine Jury der Kultusministerkonferenz entscheiden, ob das über 100 Jahre alte Baudenkmal auf die Antragsliste gesetzt werden soll. Die Hoffnung in Osten und Hemmoor: 2017 könnte es mit der Anerkennung klappen.

Angeblich soll auch das Umfeld eines Weltkulturerbe-Kandidaten eine Rolle für die Jury-Entscheidung spielen. Entsprechend wird in den Haushaltsberatungen der Räte beiderseits der Oste die Werbetrommel für die Attraktivierung der Fährplätze gerührt. Auf Ostener Seite steht der Fährplatz im Mittelpunkt, der eigentlich schon längst im Rahmen der Dorferneuerung neu gestaltet worden sein sollte. Das Problem: Osten fehlt das Geld und die Kommunalaufsicht blockierte Kreditaufnahmen, die die Kommune aus eigener Kraft nicht abstottern könnte.

Doch plötzlich ist Bewegung in die Angelegenheit gekommen. So wurde die eigentlich zum Jahresende 2012 abgelaufene Frist für Dorferneuerungsprojekte in Osten verlängert. Warum das geschah, liegt auf der Hand: Ohne die hohe Bezuschussung aus dem Dorferneuerungstopf wäre Osten niemals in der Lage, ein solches Projekt zu schultern. Die Rede ist von einer Gesamtinvestition in einer Größenordnung von rund 400 000 Euro. Ostens Bürgermeister Carsten Hubert warb bei der Vorstellung des Haushaltsentwurfs in den Fachausschüssen bereits vehement für das Projekt und bezifferte den Eigenanteil, den die Gemeinde selbst tragen müsste, auf rund 70 000 Euro.

Doch diese Rechnung geht nur dann auf, wenn die Samtgemeinde bereit ist, für die Gemeinde andere Investitionskosten in Höhe von 50 000 Euro zu übernehmen. Ob das vor dem Hintergrund des gerade geschlossenen „Zukunftsvertrages“ aber realistisch ist, bleibt abzuwarten.

Vorentwurf für Basbeck

Am Dienstagabend wurde über die mögliche Anerkennung der Schwebefähre als UNESCO-Weltkulturerbe auch im Tiefbau- und Umweltausschuss der Stadt Hemmoor gesprochen. Wer auf der Basbecker Seite die Fähre verlässt, steht bislang auf einem Platz, der verschiedenste Beläge – von der Asphaltdecke bis zum Kopfsteinpflaster – aufweist.

Nur wenige Meter entfernt geht man dann durch eine Deichlücke, die schon zahlreiche Beschädigungen aufweist: An den Mauern endete anscheinend bereits so manche Fahrt eines Autos oder Lastwagens. Ein Ingenieurbüro hat jetzt einen ersten Vorentwurf präsentiert, der beiderseits des Basbecker Deiches eine Neugestaltung der Flächen und mehr Aufenthaltsqualität (unter anderem durch eine Hütte und Parkplätze) vorsieht. Das geschätzte Investitionsvolumen beläuft sich auf rund 250 000 Euro. Die ersten Gespräche mit den Denkmalschützern hat es bereits gegeben und auch bei der finanziellen Förderung des Projektes gibt es nach Angaben des Hemmoorer Verwaltungschefs Dirk Brauer und des Hemmoorer Bürgermeisters Hans Wilhelm Saul positive Signale. Ob aus den Signalen auch konkrete Zusagen werden, steht jedoch noch nicht fest. Und bevor in diesem Punkt keine Klarheit herrscht, bleibt die Skizze auch das, was sie ist: ein Vorentwurf...

K O M M E N T A R

Ostener Fährplatz
Auf Pump

VON EGBERT SCHRÖDER

Keine Frage: Wenn die Schwebefähre Osten-Hemmoor tatsächlich UNESCO-Weltkulturerbe werden sollte – und damit in der selben Liga wie die Chinesische Mauer oder der Kölner Dom spielt – wäre das ein Gewinn für die gesamte Oste-Region und weit darüber hinaus. Und wenn es nicht klappt? Diese Frage scheint sich für einige Fährfans gar nicht zu stellen.

Das finanziell seit Jahren angeschlagene Osten wird bei den Banken um einen Kredit betteln müssen, damit der Fährplatz neu gestaltet wird. Ein wesentliches Druckmittel für die Politiker: Nur wenn der Fährplatz saniert wird, geht es in Osten auch mit der Dorferneuerung weiter. Platzt das Projekt, wird der Geldhahn umgehend zugedreht. Das hat Verwaltungschef Dirk Brauer bereits unmissverständlich angekündigt.

Auch wenn das Gros der bislang geplanten Maßnahmen der „großen Lösung“ durch Zuschüsse (möglicherweise) finanziert wird, muss die Gemeinde auf jeden Fall noch jahrelang den Abtrag für das notwendige Darlehen zur Finanzierung des Eigenanteils leisten. Wenn’s dann aber doch nicht mit der Bewerbung bei der UNESCO klappt, hätte Osten zwar einen schönen Fährplatz, aber nicht den geplanten Imagegewinn durch eine Aufwertung des technischen Baudenkmals.

Die Politiker stecken in einem Dilemma: Investieren sie nicht, riskieren sie – angeblich – das Scheitern der Bewerbung als Weltkulturerbe. Riskieren sie die weitere Verschuldung der Gemeinde und die tollen Pläne scheitern, stehen sie mit leeren Händen da.

Bleibt die Frage, ob der vorhandene Fährplatz nicht auch durch wesentlich billigere Maßnahmen „aufgehübscht“ werden kann, um
in die engere Wahl als Weltkulturerbe zu kommen.

Niederelbe-Zeitung, 07.02.2013