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Wer in die Fußstapfen anderer tritt...

Karl-Heinz Brinkmann ist seit zwei Wochen der neue erste Vorsitzende der Fördergesellschaft zur Erhaltung der Schwebefähre Osten

VON THOMAS SCHULT

Die Schwebefähre in Osten ist zweifelsohne der touristische Anziehungspunkt im Landkreis Cuxhaven. Mehr als 2800 Fahrten absolvierte sie im vergangenen Jahr und beförderte dabei rund 53 000 Fahrgäste. Seit zwei Wochen hat die Betreibergesellschaft der Schwebefähre mit Karl-Heinz Brinkmann einen neuen ersten Vorsitzenden.

Den Bezug zur Oste und seinen Fähren bekam Karl-Heinz Brinkmann schon in die Wiege gelegt. Geboren ist der 47-Jährige in Balje, aufgewachsen in Geversdorf. „Als Kind habe ich oft an der Prahmfähre gespielt. Und ich kann mich noch gut erinnern, wie sich die großen Fischlaster durch die schmale Deichdurchfahrt in Geversdorf geschlängelt haben“, erzählt er.

Nach Osten ist Brinkmann mehr oder weniger durch Zufall gekommen. Während seiner Arbeit als Postzusteller war er auch für den Ort mit der Schwebefähre zuständig. Sofort war er begeistert von dem Dorf am Fluss, seinen Menschen und ihm war ziemlich schnell klar: „Hier möchte ich mal wohnen.“ Gesagt, getan. Und als das Haus in der Fährstraße zum Verkauf stand, haben Karl-Heinz Brinkmann und seine Frau sofort zugeschlagen. Das war 1997. Ein halbes Jahr und umfangreiche Sanierungsarbeiten später war das neue Domizil bezugsfertig. Seitdem leben die Brinkmanns in Osten, keine 100 Meter von der Schwebefähre entfernt. Da war es nur logisch, dass er in die Fördergesellschaft zur Erhaltung der Schwebefähre eingetreten ist. „Die Fähre nötigt mir einfach Respekt ab. Respekt vor der Leistung der Erbauer und Respekt vor dem Bauwerk“, sagt Brinkmann. Schnell wurden seine Talente zum Organisieren, Fotografieren und Schreiben erkannt. Brinkmann war zunächst für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, kümmerte sich um den Internetauftritt, erstellte Broschüren und Flyer.

Voller Tatendrang ans Werk

Im Jahr 2007 rückte er in den Vorstand der Fördergesellschaft, zunächst als zweiter Mann hinter Horst Ahlf – aber schon mit dem Plan, einmal den Vorsitz zu übernehmen. Am 27. Januar dieses Jahres war es dann so weit. Horst Ahlf gab nach 37 Jahren im Vorstand der Fördergesellschaft seinen Abschied bekannt und Karl- Heinz Brinkmann zieht ab sofort die Fäden auf und neben der Schwebefähre. Eine Kopie von Horst Ahlf möchte er aber nicht sein: „Wer in die Fußstapfen anderer tritt, hinterlässt keine eigenen Spuren.“

Ausgestattet mit einer ganzen Menge Ideen übernimmt er voller Tatendrang sein neues Amt: „Wir haben ein gutes Team im Vorstand zusammen. Und Horst steht uns bei allen Fragen mit Rat und Tat zur Seite. Schließlich kennt niemand die Fähre so gut wie er.“ Weiterentwickeln will er den Publikumsmagneten Schwebefähre in den kommenden Jahren.

Die Touristen seien anspruchsvoller geworden, sagt er. Fähre fahren alleine reiche da nicht mehr. Darum wollen Brinkmann und sein Team unter anderem die Fährstuuv ausbauen und aufwerten. Wechselnde Ausstellungen soll es geben, Videos zur Geschichte der Schwebefähre gezeigt und eine feste Anlaufstelle für die vielen Besucher geschaffen werden. Unterstützen wird ihn dabei ein Bundesfreiwilligendienstler, kurz „Bufdi“ genannt. „Wir haben einen sehr geschichtsinteressierten jungen Mann gefunden, der am 1. März anfängt.“ Gerade rechtzeitig vor Saisonbeginn. Denn einen Monat später nimmt die „Eiserne Lady“ bis zum 31. Oktober wieder ihren fahrplanmäßigen Dienst auf.

Kultur möchte Brinkmann auf der Fähre installieren. Konzerte und Aufführungen nicht alltäglicher Künstler könnte es geben, erzählt er. Sein Traum: Die Schwebefähre als Kulturbühne in Kooperation mit örtlichen beziehungsweise regionalen Vereinen. „Wir haben einen fantastischen Veranstaltungsort, jemand anders vielleicht einen interessanten Künstler an der Hand. Warum sollen wir uns da nicht zusammen tun?“

Genauso wie beim Sammelantrag für die Anerkennung aller weltweit noch existierenden Schwebefähren zum UNESCO Weltkulturerbe. Vielleicht klappt es ja 2014 zum 100. Geburtstag der Schwebefähre in Argentinien, hoffen Brinkmann und seine Mitstreiter. Die Anträge sind gestellt. Jetzt heißt es abwarten...

Niederelbe-Zeitung, 10.02.2012