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Weltkulturerbe-Status für Schwebefähren in Gefahr?

29.07.2011

Unesco-Experten verärgert über Kieler Denkmalschutz-Novelle: "Reine Makulatur" / Auswirkungen auf sieben historische Fährbrücken möglich / Stadt Rendsburg und AG Osteland befürchten "gravierende Folgen" für die Kanal- und die Oste-Region

Mit Besorgnis reagiert die Arbeitsgemeinschaft Osteland e. V. im niedersächsischen Osten (Landkreis Cuxhaven) auf jüngste Meldungen aus Schleswig-Holstein, denen zufolge der angestrebte Weltkulturerbe-Status für die 102 Jahre alte Schwebefähre Osten - Hemmoor ebenso gefährdet ist wie die Vergabe des Unesco-Titels für die zweitälteste deutsche Schwebefähre in Rendsburg und für fünf weitere Bauwerke dieser Art in Argentinien, Frankreich und Großbritannien.

Ursache der Befürchtungen ist eine Novellierung des schleswig-holsteinischen Denkmalschutzgesetzes, das nach Auffassung von Kritikern den Schutzstatus von Welterbestätten vermindert und negative Reaktionen der Unesco provozieren könnte.

Aus Sicht des Rendsburger Bürgermeisters Andreas Breitner (SPD) gefährdet das Land dadurch nicht nur die bereits existierenden und beantragten Unesco-Weltkulturerbestätten in Schleswig-Holstein wie die Altstadt von Lübeck, das Dannewerk und die Rendsburger Schwebefähre mit Eisenbahnhochbrücke. Betroffen seien auch die anderen Schwebefähren, die auf Initiative Rendsburgs einen gemeinsamen Antrag an die Unesco stellen wollen.

Der Rendsburger Bürgermeister begründet seine Auffassung mit einer von ihm eingeholten Stellungnahme der Unesco-Welterbebeauftragten der Kultusministerkonferenz, Dr. Birgitta Ringbeck, die beim Weltkulturerbekomitee in Paris die nationalen Interessen Deutschlands vertritt. Sie erklärt in einer Stellungnahme zur Novelle des schleswig-holsteinischen Denkmalschutzgesetzes wörtlich: "Der Erhalt bestehender und potentieller Welterbestätten in Bestand und Wertigkeit ist durch das neue Gesetz nicht mehr gewährleistet. Im Gesetz sind nicht - wie in der Welterbekonvention festgeschrieben - 'Authentizität und Integrität' die entscheidenden Prüfkriterien bei der Veränderung von Denkmalen, sondern ein nicht näher definierter Denkmalwert."

Weiter kritisiert Dr. Ringbeck: "Mit § 6 des neuen schleswig-holsteinischen Denkmalschutzgesetzes wird zudem die Durchsetzbarkeit des Denkmalschutzes stark eingeschränkt, selbst in der Umgebung von Welterbestätten dürfte es schwierig werden, Veränderungen zu verhindern, zumal diese nicht explizit mit den gängigen Begriffen, sondern nur deren Auswirkungen mit der vagen Formulierung 'Gefahr für den Denkmalwert' beschrieben sind. Und selbst in dem zu den Welterbestätten einschlägigen § 21 wird anderen öffentlichen Belangen Vorrang eingeräumt. Die Aufnahme des Welterbeschutzes in das Gesetz scheint mir vor diesem Hintergrund reine Makulatur zu sein, da entsprechende Regelungen für einen tatsächlich wirksamen Schutz fehlen. Auf dem Verordnungswege wird dieser Mangel kaum zu beheben sein. Die Fachbehörde wird derart geschwächt, dass mit dieser Novellierung in der Tat nicht der in § 5 der Welterbekonvention formulierten Aufforderung Rechnung getragen wird, 'eine allgemeine Politik zu verfolgen, die darauf gerichtet ist, dem Kultur- und Naturerbe eine Funktion im öffentlichen Leben zu geben und den Schutz des Erbes in erschöpfende Planungen einzubeziehen'."

Rendsburgs Bürgermeister Breitner schlägt daher Alarm: "Schleswig-Holstein muss aufpassen, dass der Welterbestatus von der Unesco nicht aberkannt bzw. weitere Anträge abgelehnt werden. Das hätte gravierende touristische und damit auch negative wirtschaftliche Folgen für unser Land. Das neue Denkmalschutzgesetz muss noch vor seiner Verabschiedung dringend auf Unesco-Tauglichkeit geprüft werden. Wir sollten nicht den Dresdner Weg gehen und damit riskieren, uns international lächerlich zu machen", fügt Breitner unter Hinweis auf die 2009 ergangene Unesco-Entscheidung, das Dresdner Elbtal wegen des Baus der umstrittenen Waldschlößchenbrücke von der Liste der Weltkulturerbestätten zu streichen.

Geteilt werden die Befürchtungen des Bürgermeisters vom Vorsitzenden der gemeinnützigen Arbeitsgemeinschaft Osteland e. V., Jochen Bölsche (Osten/Oste), der mit Breitner und anderen Kommunalpolitikern aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen dem Arbeitskreis Deutsche Schwebefähren angehört. Aufgrund der Kieler Pläne drohe ein "schwerer Rückschlag" für die Bemühungen, die Schwebefähre über dem Elbnebenfluss Oste, das Wahrzeichen des Ostelandes, weiter zu einer Touristenattraktion von nationalem und internationalem Rang aufzuwerten.

Weltweit existieren nur noch acht Schwebefähren, die in einem 2003 gegründeten Weltverband unter der Schirmherrschaft des spanischen Königs Juan Carlos I. zusammenarbeiten. Die weltälteste Schwebefähre im spanischen Bilbao wurde 2006 zum Weltkulturerbe erhoben. Der Schwebefähre Osten - Hemmoor verlieh der Verein Deutscher Ingenieure im Herbst 2009 den Titel "Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst". Die Schwebefähren über der Oste und dem Nord-Ostsee-Kanal sind die Wahrzeichen der 2004 eröffneten Deutschen Fährstraße Bremervörde - Kiel.

Web-Tipps:

www.rendsburg.de - Erklärung von Bürgermeisters Breitner
www.schwebefaehre.org - Arbeitskreis deutsche Schwebefähren