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Kampf um Weltkulturerbe

CN online, 13. Dezember 2011

Der Kölner Dom gehört dazu, der Rote Platz in Moskau sowieso und natürlich auch die "Chinesische Mauer". Und bald auch die Schwebefähre Osten/Hemmoor? Hinter den Kulissen werden die Pläne für die Anerkennung des technischen Baudenkmales als Weltkulturerbe der UNESCO vorangetrieben. Keine rein nationale Angelegenheit: In dem Vorhaben nimmt Argentinien eine Schlüsselrolle ein - und das ist Chance und Risiko zugleich.

Osten befindet sich mit seiner Fähre in guter und internationaler Gesellschaft, denn weltweit gibt es nur noch sieben weitere Exemplare: in Buenos Aires (Argentinien), Rochefort (Frankreich) sowie in England (Newport, Middlesbrough und Warrington) und in Rendsburg (Schleswig-Holstein). Hinzu kommt noch das spanische Bilbao, wo man den Kampf um die Anerkennung als Weltkulturerbe aber bereits siegreich beendet hat: Die Anerkennung durch die UNESCO für die Biskaya-Brücke erfolgte im Jahr 2006. Erst vor wenigen Wochen ist diese mit 108 Jahren älteste Schwebefähre der Welt übrigens für einen Millionen-Betrag saniert worden.

Millionenschwere Investitionen sind nicht notwendig, um die Ostener Schwebefähre auf Vordermann zu bringen. Eine umfassende Sanierung für rund 1,4 Millionen Euro war erst 2006 abgeschlossen worden. Drei Jahre später feierten die Ostener den runden Geburtstag ihrer 100 Jahre alten "Eisernen Lady", die an ihrem Ehrentag von der Bundesingenieurkammer den Titel "Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland" erhielt. Dieser Titel klingt schon gut, aber UNESCO-Welterbe klingt besser: Doch die Chancen, über eine rein deutsche Vorschlagsliste erfolgreich zu sein, sind eher gering. Erst ab 2017 dürfte Deutschland neue Anwärter für den Welterbe-Status melden - und die nationale Konkurrenz ist groß.

Vor diesem Hintergrund setzen Osten und die übrigen Fährorte seit dem Weltschwebefähren-Treffen in Rendsburg (2009) auf einen "Sammelantrag" für die sieben Fähren, die noch nicht - wie Bilbao - den Welterbe-Status haben. Federführend bei der Aktion ist Argentinien.

Den Südamerikanern werden nämlich bessere Chancen eingeräumt, mittelfristig die Schwebefähren in die Welterbe-Liste zu bugsieren, denn bislang hat Argentinien kaum Welterbe-Stätten: Den acht Einträgen auf der UNESCO-Liste stehen 36 erfolgreiche Bewerbungen aus Deutschland gegenüber (vom Aachener Dom bis zur Wartburg).

Doch nach NEZ-Informationen sind in der Vergangenheit in internen Fachgesprächen durchaus Zweifel geäußert worden, ob Argentinien das Projekt mit dem nötigen Nachdruck vorantreiben und stemmen kann.

Die vorbereitenden Arbeiten für die Antragstellung laufen unterdessen in Deutschland und den übrigen Standorten der Schwebefähren weiter. Seit dem vergangenen Jahr ist der Industriearchäologe Rolf Höhmann (Darmstadt) damit beschäftigt, die Basisdaten für alle Fähren zusammenzutragen und für eine sogenannte "serielle Antragstellung" zu bündeln. In Osten, aber auch in Rendsburg hofft man darauf, dass nach der Antragstellung eine positive Entscheidung fällt: Die Anerkennung als Welterbe würde schließlich besonders im Tourismus einen weiteren Imagegewinn bedeuten.

In Osten erwarten aber nicht nur die Fährfreunde, sondern auch potenzielle Windparkbetreiber den Ausgang des Verfahrens mit Spannung. Wie berichtet, hatte der Kreistag die Ausweisung eines Windpark-Vorranggebietes in Osten abgelehnt, da dadurch die mögliche UNESCO-Anerkennung gefährdet sei.

Von Egbert Schröder