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Schwebefähre soll Weltkulturerbe werden

Rendsburg - Die „Eiserne Lady" hängt über dem Nord-Ostsee-Kanal. Viereinhalb Meter sind es bis zur Wasseroberfläche, nach oben zur Eisenbahnbrücke sind es an die 40 Meter. Viermal die Stunde schwebt die alte weiße Dame von Rendsburg nach Osterrönfeld und viermal die Stunde zurück, gleichmäßig, behäbig, immer im Takt. Wenn es nach den beiden Orten geht, soll die Schwebefähre bald Weltkulturerbe werden - gemeinsam mit den anderen sieben Schwebefähren weltweit.

Davon erhofft sich die Stadt außer der Ehre auch Geld. Fährführer Hans Joachim Bock steht oben im Führerhäuschen. Zu ihm gelangt, wer eine steile, weiße Treppe hochsteigt. Bock drückt auf Knöpfe und blickt auf Bildschirme. Er sieht Autos und Fahrräder auffahren, Fußgänger betreten die Fähre. Dann legt Bock ab, zwei Minuten rüber, wieder festmachen, wieder Autos,Fahrräder, Fußgänger, wieder ablegen. „Immer hin und her, immer nach Fahrplan", sagt Bock. Vier dicke Stahlseile tragen die „Eiserne Lady", acht weitere halten sie, damit sie nicht hin- und herschaukelt. Oben, etwa da, wo die Züge hinüberrumpeln, sitzen die Antriebsräder auf Schienen. Auch die elektrischen Motoren sind oberhalb des Brückenkörpers.

Die gute Dame ist 97 Jahre alt und eine Wiedergutmachung für den Ort Osterrönfeld. Erst zerschnitt der Nord-Ostsee-Kanal die Wegverbindung nach Rendsburg. Dann bekam die Stadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Eisenbahnbrücke über den Kanal. Es ist ein gigantisches Bauwerk, bei dem dreimal so viel Stahl verbaut wurde wie beim Eiffelturm, verkünden die Tafeln vor dem Fähranleger stolz. Mit ihren 2,4 Kilometern Länge führt die Brücke von Rendsburg über den Kanal und quasi über Osterrönfeld auf der Südseite hinweg. Der Bahnhof dort wanderte nach außerhalb, und die Ostrrönfelder bekamen die „Eiserne Lady", um schnell nach Rendsburg zu kommen. Es wurde festgelegt, dass die Wegverbindung aufrechterhalten werden muss. Das gilt bis heute.

„Die Schwebefähre war die einfachste Möglichkeit. Man konnte sie an der Eisenbahnbrücke aufhängen",erklärt Rolf Höhmann. Er ist Industrie-Archäologe und hilft, den Antrag für die UNESCO vorzubereiten. Die Schwebefähre im nordspanischen Bilbao ist bereits als Weltkulturerbe anerkannt. Nun sollen es auch die anderen imVerbund werden, inDeutschland außer der Rendsburger auch jene im niedersächsischen Osten. „Es ist ein in sich geschlossenes Sammelgebiet", sagt Höhmann. Noch ist der Schwebefähren-Antrag aber in der Schwebe, Höhmann bemüht sich um Unterstützung aus den anderen Ländern: aus Argentinien, Frankreich und Großbritannien.

Rendsburgs Bürgermeister Andreas Breitner ist zuversichtlich, dass der Antrag im kommenden Jahr gestellt werden kann. „Wir würden daraus einen erheblichen touristischen Nutzen ziehen", sagt er. Außerdem hofft der SPD-Mann auf ein, zwei Millionen Euro aus dem Weltkulturerbe-Topf der Bundesregierung. Fährmann Bock ist die Sache mit dem Weltkulturerbe nicht so wichtig. Mehr Touristen? „Kommen ja schon so genug", sagt der 62- Jährige. „Als ich angefangen bin, da war das Pille Palle. Da war ja nichts los." Das war 1972. Jetzt fahren im Durchschnitt 1600 Menschen pro Tag mit der Fähre, an Wochenenden sind es auch 3000, 4000. Und die Fähre schwebt immer hin und her, immer nach Fahrplan.

Kieler-Nachrichten, 19.09.2010