Random header banner 1 Random header banner 2 Random header banner 3 Random header banner 4 Random header banner 5
"Zwei Schutzengel" bewahrten Fähre vor dem Schneidbrenner

100 Jahre Schwebefähre Osten-Hemmoor: Festakt als Auftakt / Ingenieurkammern zeichnen Bauwerk aus

Osten / Hemmoor (es). Hohe Ehrung für eine Dame im hohen Alter: Seit gestern ist die Schwebefähre Osten-Hemmoor als „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurskunst“ anerkannt. Dieser Titel ist bislang nur an drei andere Bauwerke in Deutschland vergeben worden. Erst im kommenden Jahr ist der alte Hamburger Elbtunnel an der Reihe.

Die Auszeichnung war der Höhepunkt des Festaktes, der gestern den Auftakt der viertägigen Jubiläumsfeiern in Osten zum „100. Geburtstag“ der Schwebefähre Osten- Hemmoor bildete. Dieses – so Landrat Kai-Uwe Bielefeld – „Jahrhundertereignis“ hatten die Präsidenten der Bundesingenieurkammer, Dr. Ing. Jens Karstedt, und der Ingenieurkammer Niedersachsen, Dipl.-Ing. Hans-Ullrich Kammeyer, genutzt, um auf die Meisterleistung der Konstrukteure der Schwebefähre vor 100 Jahren hinzuweisen: „Eine Rarität“, schwärmte Karstedt und überreichte gemeinsam mit Kammeyer die Tafel „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurkunst in Deutschland“ an Landrat Bielefeld.

Der Landkreis ist seit Mitte der 70er-Jahre Eigentümer der Fähre, die damals beinahe in ihre Einzelteile zerlegt worden wäre. Doch die Fähre – so Dr. Christina Hawighorst (Staatssekretärin im niedersächsischen Sozialministerium) – habe damals „zwei Schutzengel“ gehabt: den Denkmalschutz und den Fährverein, der von Beginn an durch den Ostener Horst Ahlf geleitet wird. Die Staatssekretärin erinnerte daran, dass die folgenden umfangreichen Sanierungsmaßnahmen zwar auch durch die öffentliche Hand sowie durch Stiftungen maßgeblich finanziert worden seien. Doch ohne das ehrenamtliche Engagement der Bevölkerung „wäre das gemeinsame Ziel – der dauerhafte Erhalt der Fähre – nicht möglich gewesen“.

In diese Kerbe schlugen auch Landrat Kai-Uwe Bielefeld, der Vereinsvorsitzende Horst Ahlf sowie der Ostener Bürgermeister Carsten Hubert in ihren Ansprachen. Die Fähre sei – so unterstrich Hubert – zu einem Wahrzeichen Ostens und der Osteregion geworden. Ahlf bezeichnete das technische Baudenkmal gar aus touristischer Sicht als ein „Flaggschiff für das gesamte Elbe-Weser-Dreieck“ .

Die Einzigartigkeit der Fähre spielte auch in Bielefelds Rede eine Rolle. Kreisweit würden 900 historisch bedeutsame Baudenkmäler existieren: „Aber es gibt nur ein technisches Baudenkmal“, erläuterte der Landrat. Es sei richtig gewesen, dass der Landkreis 2006 die Sanierung für rund 1,7 Millionen Euro zum Abschluss gebracht habe, um die Fahrtüchtigkeit dieses „Vertreters des Industriezeitalters“ zu garantieren. Das war aus Sicht von Jochen Bölsche (AG Osteland) auch der einzig vernünftige Schritt. „Das letzte Dreivierteljahrhundert der Fähre“, so Bölsche, „war immer wieder gekennzeichnet durch ein zähes Ringen zwischen Politikern, die mehrmals bereit waren, dieses Bauwerk kaputtzusparen, und den Verteidigern der Fähre.“

NEZ, 02.10.2009