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Sparmaßnahmen ...

... im Zusammenhang mit der Schwebefähre Osten-Hemmoor

Offener Brief

Sehr geehrter Herr Bielefeld,
sehr geehrte Damen und Herren,

die vom Kreistag beschlossene Sparmaßnahme, bei der Schwebefähre Osten-Hemmoor den Betriebsaufwand auf das Niveau der Verkehrssicherungspflicht zu senken, nehmen wir mit großem Bedauern zur Kenntnis und appellieren zugleich an die Verantwortlichen des Landkreises, diese einschneidende Maßnahme zu überdenken.

Die Samtgemeinde Hemmoor und ihre Mitgliedsgemeinden sowie die gesamte Region der unteren Oste haben in den vergangenen Jahren von der Sehenswürdigkeit Schwebefähre außerordentlich profitiert.

Insbesondere durch unermüdliches ehrenamtliches Engagement der AG Osteland, die das Produkt „Deutsche Fährstraße“ ersonnen hat und dessen wesentlicher identitätsstiftender Bestandteil die Schwebefähre darstellt, ist die Region deutschlandweit und darüber hinaus bekannt und populär geworden. Überregionale Medien wie z.B. der NDR oder der Stern („Monstrum mit Ikonenstatus“) berichten regelmäßig über die Schwebefähre. So hat sich jüngst der NDR erneut die Samtgemeinde Hemmoor als eines von lediglich neun Zielen in ganz Niedersachsen ausgewählt, um eine ganztägige Rundfunk- und Fernsehveranstaltung im Rahmen der NDR- Sommertour hier durchzuführen. Zentraler Veranstaltungsort ist der Fährplatz als unmittelbares Umfeld der mittlerweile schon ein wenig berühmten Schwebefähre.

U. a. zurückzuführen auf die Aktivitäten im Zusammenhang mit der Schwebefähre und der Deutschen Fährstraße, zu denen auch die vorgenannten öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen und überregionale Berichterstattungen gehören, sind die touristischen Übernachtungszahlen kontinuierlich gestiegen.

Gleiches gilt für auch für den Tagestourismus. Damit einher gehen eine regionale Wertschöpfung und die Schaffung dringlich notwendiger Arbeitsplätze. Für die Samtgemeinde Hemmoor ist die touristische Entwicklung, die sehr eng mit der Schwebefähre verbunden ist, von großer Bedeutung, da hier noch erhebliches ungenutztes Potenzial im Unterschied zu anderen Wirtschaftsbranchen zu erblicken ist. Daher hat die Samtgemeinde Hemmoor erst jüngst wegweisende Entscheidungen zur organisatorischen und personellen Verstärkung der Strukturen im Tourismus beschlossen.

Mit der geplanten Einrichtung eines Tourismusbüros und der Beteiligung an der gemeinsamen Tourismusorganisation Tourismusverein Kehdingen e.V. unternimmt die Samtgemeinde Hemmoor große Anstrengungen im touristischen Sektor. Die Beteiligung an den LEADER-Regionen „Hadler Region“ und „Kehdingen-Oste“ hat vorrangig touristische Ziele. Dass gerade die Schwebefähre dabei ein wichtiges touristisches Leitthema ist, zeigt sich z.B. in dem aus LEADER-Mitteln geförderten Projekt „Informationsmeile der Weltschwebefähren“, das in der Stadt Hemmoor in den vergangenen Wochen umgesetzt worden ist und nunmehr eingeweiht werden soll.

Gleiches gilt für die Dorferneuerung in der Gemeinde Osten, die zur Zeit mit großem Kostenaufwand, gefördert letztlich mit Steuergeldern, ebenfalls die Schwebefähre als zentrales gedankliches Element der Planung beinhaltet. Auch der Bau zweier Fahrgastschiffsanleger ist eingebettet in die touristische Konzeption der Oste-Region, in deren Mittelpunkt die Schwebefähre steht. Diese kann jedoch nur solange ihre Wirkung entfalten, wie sie auch funktionstüchtig ist, wie sich sehr deutlich während der Zeit der Stilllegung gezeigt hat.

Die nun getroffene Entscheidung, die Schwebefähre nicht mehr in einem fahrbereiten Zustand zu halten, konterkariert die Bemühungen der ehrenamtlich Tätigen wie insbesondere den Akteuren der AG Osteland, der Fördergesellschaft Schwebefähre Osten-Hemmoor sowie der Samtgemeinde Hemmoor auf eine sehr drastische Art.

Des Weiteren sei auf den hinreichend bekannten und anerkannten kulturhistorischen Wert der Schwebefähre hingewiesen. Die außerordentliche Bedeutung der Fähre ist darin zu erblicken, dass sie durchaus Chancen hätte, als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt zu werden. Unseres Wissens kommt kein einziges anderes historisches Bauwerk im Landkreis Cuxhaven und darüber hinaus für eine derartig bedeutsame Anerkennung in Betracht.

Der Landkreis Cuxhaven vergibt hiermit die Chance, in seinen Grenzen ein kulturelles Bauwerk von möglicherweise internationaler Bedeutung für die Nachwelt zu bewahren. Die Schwebefähre als skurriles kulturhistorisch seltenes Objekt – eine von 8 noch weltweit existierenden Schwebefähren - hat schon heute - mit internationaler Anerkennung erst recht - Alleinstellungscharakter und hebt den Landkreis Cuxhaven aus der Masse der Landkreise in Deutschland insoweit heraus.

Es bleibt zusammenfassend festzustellen, dass das möglicherweise absehbare Sterben der Schwebefähre dem Tourismus in der Region schweren Schaden zufügt und zum unwiederbringlichen Verlust eines außerordentlich bedeutsamen kulturhistorischen Objektes führt.

Für die finanzielle Zwangslage des Landkreises Cuxhaven und der daraus resultierenden Sparbeschlüsse haben wir durchaus Verständnis. Es wird hier jedoch eine Sparmaßnahme getroffen, offenbar ohne dass Alternativen hinreichend geprüft worden sind.

Wir bitten den Landkreis Cuxhaven daher eindringlich, mit den Akteuren vor Ort, insbesondere mit der Samtgemeinde Hemmoor und ihren Mitgliedsgemeinden, das Gespräch zu suchen, um eine gemeinsame Lösung zu erzielen, die möglichst allen Belangen – auch dem Sparzwang des Landkreises Cuxhaven - gerecht wird.

Landkreis und Gemeinden sollten ein gemeinsames Interesse an dem Erhalt der Schwebefähre haben und zu einem besseren Ergebnis als der Preisgabe des nationalen Baudenkmals Schwebefähre kommen. Wir sind zu einer akzeptablen Lösung des Problems bereit!


 Dirk Brauer
 Bürgermeister der Samtgemeinde Hemmoor

 Hans Wilhelm Saul
 Bürgermeister der Stadt Hemmoor

 Bodo Neumann
 Bürgermeister der Gemeinde Hechthausen

 Carsten Hubert
 Bürgermeister der Gemeinde Osten