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Schwebefähre über die Oste wird 100 Jahre alt

ddp-nrd, 27.08.2009

Bis zu 40 000 Passagiere nutzen jährlich das historische Transportmittel Vier Radwanderer stehen am Ufer der Oste im niedersächsischen Hemmoor. Von der etwa 80 Meter entfernten anderen Uferseite in Osten (Landkreis Cuxhaven) ruft ihnen Erwin Bergander zu: «Möchten Sie Fähre fahren?» Die zwei Ehepaare bejahen die Frage. Der 71-jährige Bergander läutet daraufhin eine Glocke und setzt die älteste Schwebefähre Deutschlands in Gang.

Die elektrisch angetriebene Gondel schwebt langsam über den Elbe-Nebenfluss Oste zum anderen Ufer. Sechseinhalb Minuten später legt sie dort an und nimmt die Radler an Bord.

«Wir haben gehört, dass die Schwebefähre in diesem Herbst 100 Jahre alt wird. Deshalb wollten wir auf unserer Tour unbedingt mit ihr fahren», sagt Monika Brandt. «So ein Denkmal mal zu sehen, ist einfach schön.» Zusammen mit ihrem Mann Hans ist sie schon seit ein paar Tagen per Rad unterwegs. «Wir kommen aus Ganderkesee und radeln bis Stade», erzählt sie. 'Von dort aus fahren wir mit dem historischen Moorexpress» zurück. Doch jetzt genießt das Paar zusammen mit seinen Freunden Reingard und Dieter Kruse erstmal die Fahrt in der Gondel.

Per Tonband erfahren die Radwanderer währenddessen Wissenswertes über das «filigrane Bauwerk», das als Meisterwerk der Ingenieurskunst gilt. Mehr als 250 Tonnen Stahl wurden dafür verbaut. Die Konstruktion ist 38 Meter hoch, so dass selbst große Segelschiffe die Fähre gefahrlos passieren können. Während die Gondel nahezu lautlos über das Wasser schwebt, fahren unter ihr mit lautem «Hallo» gerade zwei Ruderboote durch. Weltweit gab es einmal 20 dieser Schwebefähren. Heute sind nur noch acht erhalten. Neben der in Osten gibt es in Deutschland noch eine zweite in Rendsburg.

«Die Fähre ist heute ein Tourismusmagnet», sagt Horst Ahlf, Besitzer des Hotels «Fährkrug». Damals, um die Jahrhundertwende, habe sie eine von Eisgang und Tide unabhängige Überquerung ermöglicht. Durch den Bau der Eisenbahnlinie Harburg-Cuxhaven sei das Verkehrsaufkommen stetig gestiegen. «Osten war zu der Zeit der reichste Ort zwischen Hamburg und Cuxhaven», berichtet Ahlf. In dem 700-Einwohner-Ort habe es 1895 rund 140 Gewerbebetriebe gegeben.

Nachdem im Mai 1974 rund 300 Meter von der Anlegestelle entfernt eine feste Brücke eingeweiht wurde, sei der reguläre Fährbetrieb eingestellt worden. Ein Jahr später gründete Ahlf die Fördergesellschaft zur Erhaltung der Schwebefähre Osten-Hemmoor. «Meine Familie ist seit 1934 durch den Betrieb eng mit der Fähre verbunden», erläutert der 68-Jährige. Zudem sei Osten längst keine Wirtschaftsmetropole mehr, der beschauliche Ort lebe heute von Landwirtschaft und Tourismus. «Wir haben hier in der Region sehr viele Radwanderer und Wassersportler», sagt Ahlf.

Zwischen 30 000 und 40 000 Passagiere pro Jahr hat die Fördergesellschaft nach Angaben von Ahlf seit 2006 gezählt. In dem Jahr war die Schwebefähre nach einer gründlichen, 1,7 Millionen Euro teuren Überholung und mehrjähriger Unterbrechung wieder in Betrieb genommen worden. Es handle sich um eines der «herausragenden Wahrzeichen» der vor fünf Jahren eröffneten Deutschen Fährstraße von Bremervörde bis Kiel, sagt Ahlf. Die Deutsche Fährstraße verbindet zahlreiche Fähren, Brücken, Schleusen und andere maritime Sehenswürdigkeiten.

Inzwischen hat die Schwebefähre das Ufer von Osten erreicht. «Ich habe gedacht, dass es viel mehr holpert», sagt Monika Brandt, die noch schnell eine Ansichtskarte kauft. Reingard Kruse stimmt ihr zu: «Man hat die Bewegung gar nicht gemerkt.» Seekrank wird auf dieser Fähre niemand. Erwin Bergander, dessen Großvater vor genau 100 Jahren hier als erster Fährmann seinen Dienst versehen hatte, kurbelt die Schranke hoch und entlässt seine Fahrgäste. Am Anleger wartet bereits neue Kundschaft.