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Die eiserne Lady wird 100

Kreis Cuxhaven. Zum 100. Geburtstag gibt es für die eiserne Lady ein besonderes Geschenk. Von der Bundesingenieurkammer erhält die Schwebefähre in Osten zu ihrem runden Jubiläum die Auszeichnung „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst Deutschland“. Besucher erwartet vom 1. bis 4. Oktober ein buntes Festprogramm.

Ein „seltenes Juwel“ ist das filigrane Stahlbauwerk für die Ingenieurkammern, denn nur acht von ursprünglich 20 Schwebefähren weltweit sind noch erhalten. Beim Jubiläumsfestauftakt am Donnerstag, 1. Oktober, um 11 Uhr werden Vertreter der Ingenieurkammern des Bundes und Niedersachsens eine Ehrentafel an die Vertreter des Landkreises und des Fördervereins zum Erhalt der Schwebefähre überreichen.

Mit einer historischen Modenschau, dem Klassiker „Dinner for one“ auf Platt, sowie plattdeutschen Sketchen und Geschichten rund um das „Geburtstagskind“, wird der Landkreis die Schwebefähre hochleben lassen. Musikalisch gefeiert wird mit einer Schlagerparty, einem Jazz-Frühschoppen, einer Irish-Folk-Nacht und Country-Musik.

Den Widrigkeiten des Alterns trotzen konnte das Technik-Denkmal an der Oste in der Vergangenheit immer wieder. Schon 1974 drohte der Rarität die Verschrottung. Am Oste-Ufer kehrte Stille ein, Kneipen, Kaufleute und Bäcker gaben auf. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts hatten sie vom Pendelverkehr des Stahlungetüms profitiert.

Osten blühte damals wirtschaftlich auf, denn mit Ziegeln aus Kehdingen und Hadeln wurde halb Hamburg aufgebaut. Die Kaufleute brauchten eine bessere Verbindung über den Fluss. Dort, im heutigen Hemmoor, stoppte seit 1881 die Eisenbahn auf ihrem Weg von Cuxhaven nach Hamburg. Die Gemeinde Osten beauftragte niemand geringeren als Louis Pinette, einen Schüler Gustave Eiffels*, Erbauer des gleichnamigen Stahlturmes in Paris, mit dem Bau einer Flussquerung.

Die Krux dabei: Die vielen Frachtschiffe, die über die Oste ihre Waren transportierten, durften nicht behindert werden. Für Pinette war die Schwebefähre die Lösung aus dieser Zwickmühle. Die Segler mit ihren hohen Masten konnten hindurchfahren, während Pferdegespanne gleichzeitig per Gondel über den Fluss fuhren. Am 1. Oktober 1909 wurde die 38 Meter hohe und 82 Meter breite Brückenkonstruktion eingeweiht.

Seit Mitte der 70er Jahre kümmert sich ein Förderverein rührig um das Technik-Denkmal. Bis 1989 verkehrte die Gondel regelmäßig, dann drohte erneut die Stilllegung. Der Verein sammelte Geld für die Sanierung. Wenige Jahre plötzlich Risse an den Stahlträgern. Erst 2006 wird das Wahrzeichen für 1,5 Millionen Euro umfangreich restauriert. Doch unaufhaltsam nagt der Zahn der Zeit weiter. Die Betonfüße der „alten Dame“ sind jetzt marode. Der Kreis hat klar signalisiert, dass von ihm angesichts der klammen Haushaltslage kein Geld für eine Sanierung zu erwarten ist. So hängt die Zukunft des stählernen Riesen in der Schwebe.

Das Festprogramm auf einen Blick

Donnerstag, 1. Oktober

 Schwebefähre 11 Uhr: Offizieller Festakt mit Auszeichnung der Bundesingenieurkammer
 13 Uhr Eröffnung der Festmeile
 13 Uhr Festzelt: Historische Modenschau, „Dinner for one“, Salon-Orchester Niederelbe
 20 Uhr Festzelt: Plattdeutsche Geschichten und Sketche rund um die Schwebefähre

Freitag, 2. Oktober

 11 Uhr: Eröffnung Festmeile
 13 Uhr Festzelt: Kinderchor der GS Osten und Gruppe „SiSte“
 19.30 Uhr: Oste in Flammen, Fackeln auf den Deichen
 21 Uhr: Schlagerparty mit Lilo Wanders

Sonnabend, 3. Oktober

 10 Uhr: Jazz-Frühschoppen
 13 Uhr: Akkordeonorchester
 21 Uhr Festzelt: Irish-Folk

Sonntag, 4. Oktober

 9.30 Uhr: Gottesdienst
 11 Uhr: Country-Frühschoppen
 13 Uhr: Festumzug
 an allen Tagen Heißluftballon- und Fährfahrten


Von Markus Roloff, Nordsee-Zeitung, 29.09.2009

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