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Eiserne Lady im Porträt

01.11.2008

Die Süddeutsche Zeitung widmet unserer Rendsburger "Schwesterfähre" - der sogenannten Eisernen Lady - einen großen Bericht. Auch die Ostener Fähre findet darin Erwähnung. Thema des Beitrages ist unter anderem die Klage der Ostener Partnergemeinde Osterrönfeld wegen des unzureichenden Ersatzverkehrs während der Wartungsarbeiten.

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Gondel der Schwebefähre Rendsburg

Dazu heißt es: "Inzwischen 95 Jahre alt, musste die Schwebefähre in den letzten beiden Jahren mehrmals stillgelegt werden; Wartungsarbeiten an Stahlseilen, Laufrollen und Motoren waren nötig. Und stand die Fähre still, regte sich prompt Widerstand, denn: Für Hunderte Schüler aus der Gemeinde Osterrönfeld ist die Fähre der kürzeste Weg zu den Schulen in der Kreisstadt am anderen Kanalufer. 'Das führte dazu, dass wir die Wartungsarbeiten ausschließlich in die Ferienzeiten legen. Das bringt zwar Proteste von Urlaubern, die das Bauwerk erleben wollen, aber die Schülerbeförderung geht vor', sagt Hauke Henningsen, Ingenieur beim Wasser- und Schifffahrtsamt in Kiel - Holtenau."
 



Quelle: Süddeutsche Zeitung, vom 31.10.2008
http://archiv.sueddeutsche.de/058383/554/2610858/Die-Eiserne-Lady.html

Die Eiserne Lady 

Technik-Denkmal: Seit 95 Jahren überquert die Rendsburger Schwebefähre den Nord-Ostsee-Kanal

Ob es nur eine technische Spielerei war, die den Impuls zum Bau der Schwebefähre in Rendsburg gab, weiß in der schleswig-holsteinischen Kreisstadt heute niemand mehr. Denn als der Brückenbauingenieur Friedrich Voss zu Beginn des vorigen Jahrhunderts ans Werk ging und drei neue Hochbrücken über den Kaiser-Wilhelm-Kanal baute, bedachte er nur die Rendsburger Brücke mit einer Schwebefähre. Beim Bau der beiden anderen Hochbrücken in Kiel und Hochdonn verzichtete Voss auf diese damals moderne Fährtechnik.

Inzwischen heißt die Wasserstraße Nord-Ostsee-Kanal und von den drei durch Friedrich Voss (1872-1953) gebauten Hochbrücken steht nur noch die 1911 bis 1913 entstandene Rendsburger Eisenbahnhochbrücke im Originalzustand. Und die Schwebefähre spielt trotz der Nachbarschaft von zwei Tunneln, zwei Autofähren und einer Autobahnbrücke im Verkehrsnetz zwischen Rendsburg und den Nachbargemeinden auf der Ostseite des Kanals eine tragende Rolle.

Die kleine Fähre, liebevoll "Eiserne Lady" genannt, sorgt dabei regelmäßig für kommunalpolitischen Zündstoff, der auch Verwaltungsgerichte beschäftigt. Grund sind nicht etwa die Fahrpreise, sondern schlicht die Verfügbarkeit. Inzwischen 95 Jahre alt, musste die Schwebefähre in den letzten beiden Jahren mehrmals stillgelegt werden; Wartungsarbeiten an Stahlseilen, Laufrollen und Motoren waren nötig. Und stand die Fähre still, regte sich prompt Widerstand, denn: Für Hunderte Schüler aus der Gemeinde Osterrönfeld ist die Fähre der kürzeste Weg zu den Schulen in der Kreisstadt am anderen Kanalufer. "Das führte dazu, dass wir die Wartungsarbeiten ausschließlich in die Ferienzeiten legen. Das bringt zwar Proteste von Urlaubern, die das Bauwerk erleben wollen, aber die Schülerbeförderung geht vor", sagt Hauke Henningsen, Ingenieur beim Wasser- und Schifffahrtsamt in Kiel-Holtenau.

An zwölf, bis zu 35 Meter langen Stahlseilen hängt die 14 Meter lange und sechs Meter breite Fähre, die im Viertelstunden-Takt die 135 Meter lange Strecke in 1,5 Minuten und zwei Meter über der Wasseroberfläche zurücklegt; von 5 Uhr bis 23 Uhr zieht der unter der 41 Meter hohen Eisenbahnbrücke hängende Schlitten sie fast lautlos mit Elektromotoren übers Wasser. Bedient wird die Schwebefähre von Fährmaschinisten, die anders als die Kapitäne der schwimmenden Konkurrenz kein nautisches Patent oder Matrosenbrief haben müssen. Und bis vor wenigen Jahren gab es noch einen Festmacher, der auf dem Autodeck für Ordnung sorgte und die Schranken bediente; er wurde durch eine Signalanlage ersetzt. Seitdem können pro Überfahrt nur vier statt sechs Autos befördert werden. "Die Autos sind eben größer geworden", sagt Henningsen; inoffiziell gilt aber die mangelnde Kunst platzsparenden Parkens als Grund für die Reduzierung. "Das geringere Gewicht schont aber auch die alte Technik", freut sich Henningsen und plant den weiteren Betrieb bereits bis zum Jahr 2050.

Natürliche Feinde hat die Rendsburger Schwebefähre nur zwei: Rost und Schiffe. "Wir prüfen die Stahlseile regelmäßig auf Korrosion", erklärt Henningsen. Was die Schiffe angeht, so gibt es klare Regeln - die haben auf dem Kanal immer Vorfahrt vor den insgesamt 14 Fähren zwischen Kiel und Brunsbüttel. Sollte einmal ein Frachter ungewollt im Nebel oder durch einen Ruderschaden vom Kurs abkommen, so wurde von Amtswegen Vorsorge geschaffen: Ein Stahlbetonwall umrahmt an beiden Ufern die Haltebuchten der Fähre. Nur einmal half das nichts. In einer Januarnacht im Winter 1993 zerrten Orkanböen so heftig an der in Ruhestellung hängenden Fähre, dass sich die Bremsen lösten. Unbemerkt rollte die Fähre samt Schlitten langsam in die Mitte des Fahrwassers; Kapitän und Lotse des holländischen Frachters Linda Marijke sahen das unbeleuchtete Hindernis zu spät - der Frachter büßte Vormast und Deckskran ein, die Fähre überstand die Havarie ohne größere Schäden.

Außer in Rendsburg wurden in Deutschland noch in Kiel und in Osten Schwebefähren gebaut. Die Kieler Fähre überspannte von 1910 bis 1923 einen Teil der kaiserlichen Marinewerft; die älteste deutsche Schwebefähre wurde 1909 in Osten im Landkreis Cuxhaven eingeweiht und quert bis heute die Oste, einen Nebenfluss der Elbe.
Frank Behling