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Zwei 'Eiserne Ladys' begeistern Besucher

12.04.2007

Die beiden letzten deutschen Schwebefähren sind fit für die Tourismus-Saison / Fährmuseum, Fährmarkt und Jubiläumsjahr an der Oste in Planung / Die "Schwesterfähre" in Rendsburg soll attraktiver werden

- es ist keine Bildbeschreibung verfügbar -Die beiden stählernen Oldtimer gehören zu den letzten acht von einstmals weltweit 20 Exemplaren ihrer Art: Sogenannte Schwebefähren pendeln in Deutschland nur noch über dem niedersächsischen Elb-Nebenfluß Oste und über dem schleswig-holsteinischen Nord-Ostsee-Kanal. Die bizarren Verkehrsmittel aus vergangenen Zeiten locken heute alljährlich Abertausende von Touristen an.

Seit Ostern sind die "Eiserne Lady" am Kanal, zwischen Rendsburg und Osterrönfeld, und die Schwebefähre an der Oste, zwischen Hemmoor und Osten, wieder verstärktem Besucheransturm ausgesetzt. Besonders beliebt ist die von einem Schüler des Eiffelturm-Erbauers konstruierte Ostener Schwebefähre, die auch "Eiffelturm des Nordens" genannt wird.

Das 1909 eingeweihte Bauwerk ist erst im vorigen Jahr - nach einer viereinhalbjährigen Zwangspause und einer Generalüberholung für rund 1,6 Millionen Euro - wieder in Betrieb gegangen. Allein seither sind Zehntausende von Besuchern in den 2000-Einwohner-Ort Osten gekommen. Über 30 000 davon haben zum Preis von jeweils 1,50 Euro an einer der touristischen Demonstrationstouren teilgenommen, die der Betreiberverein, die gemeinnützige Fördergesellschaft zur Erhaltung der Schwebefähre Osten - Hemmoor, in der Sommersaison täglich von 11 bis 17 Uhr zu jeder vollen Stunde anbietet.

Angeregt worden ist das Touristeninteresse durch eine Entscheidung der Unesco vom vorigen Sommer: Damals erhielt die weltweit älteste "Schwesterfähre", ein 1893 in Betrieb genommener Stahlbau in der Nähe des spanischen Bilbao, den begehrten Weltkulturerbe-Status. Dieses Prädikat strebt der "Arbeitskreis deutsche Schwebefähren", wie deren Sprecher Jochen Bölsche erklärt, langfristig auch für die beiden norddeutschen Baudenkmale an.

Die Schwebefähre an der Oste, die seit vorigem Jahr auch allabendlich illuminiert wird, geriet Ende 2006 durch eine Publikumsabstimmung des Fernsehsenders N3 ins Blickfeld der Öffentlichkeit: Die filigrane Konstruktion wurde zum fünftschönsten Bauwerk Niedersachsens und zum neuntschönsten Bauwerk Norddeutschlands gewählt, noch vor dem Hamburger Michel. Die Zuschauer einer Denkmalschutzsendung des ZDF wählten sie jüngst sogar zum viertbeliebtesten Baudenkmal in Deutschland.

Bereits seit 2004 sind die beiden letzten deutschen Schwebefähren (eine dritte an der Kaiserlichen Werft in Kiel wurde 1923 demontiert) die überragenden Wahrzeichen der 250 Kilometer langen "Deutschen Fährstraße", die zwischen Bremervörde und Kiel rund 50 Fähren, Brücken, Schleusen, Sperrwerke und andere maritime Sehenswürdigkeiten verbindet. Die von der EU geförderte Ferienroute, die bereits zu einer spürbaren Belebung des Tourismus in den Regionen an Oste und Kanal geführt hat, ist zur diesjährigen Saison weiter ausgebaut worden.

Der für 350 000 Euro neu gestaltete Nordabschnitt, identisch mit der "NOK-Route", ist vom Kieler Ministerpräsidenten Peter-Harry Carstensen bereits feierlich eingeweiht worden. Am niedersächsischen Südabschnitt ist jetzt im Zuge des "Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzepts" (Ilek) die Planung neuer Radler-Rastpunkte, Info-Tafeln und Schiffsanleger aufgenommen worden.

Besonderes Augenmerk richten die Touristiker in den Küstenländern auf die weitere "Inwertsetzung" der beiden Schwebefähren. So wird die Investitionsbank Schleswig-Holstein am 14. Mai im Kulturzentrum Rendsburg nach zweijähriger Arbeit die Ergebnisse eines Projekts "Steigerung der touristischen Attraktivität des Geländes an der Schwebefähre" präsentieren; dem selben Thema werden auch Architekturstudenten der Hafen-City-Universität Hamburg Ideen vorstellen.

In der Gemeinde Osten, die kürzlich in das niedersächsische Dorfentwicklungsprogramm einbezogen worden ist, sind unterdessen ähnliche Planungen angelaufen. Im Mittelpunkt steht das Vorhaben, in der Nähe des nationalen Baudenkmals ein Besucherzentrum mit Fähr- und Flußmuseum einzurichten, das möglichst im Jahr 2009 eröffnet werden soll, zur 100. Wiederkehr der Eröffnung der Fähre.

Das Jubiläum soll nach dem Willen der Arbeitsgemeinschaft Osteland e. V. im gesamten Einzugsbereich des Flusses mit einem "Jahr der Oste" begangen werden. Unter dem Motto "Ein Fluß feiert seine Fähre" ist ein "Kultursommer" an der rund 150 Kilometer langen Oste geplant, die im Landkreis Harburg entspringt und die Kreise Rotenburg, Stade und Cuxhaven passiert.

Zunächst aber gilt es, unter der Schwebefähre ein kleineres Fest zu feiern: Am Sonntag, 20. Mai, findet in Osten zum zweitenmal ein "Fährmarkt" mit einer Oldtimer-Parade und vielen sonstigen Attraktionen statt. Dazu werden auch Vertreter der Gemeinde Osterrönfeld erwartet, wo die schleswig-holsteinische Schwesterfähre steht und mit der Osten seit vorigem Jahr eine kommunale Partnerschaft verbindet.

Pressemitteilung von:  Arbeitsgemeinschaft Osteland e. V.