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"Die Fähre gehört der Menschheit"

09.02.2007

Turbulenzen um Änderungsantrag

Einmütigkeit herrschte in der Versammlung des Fährvereins bei der Wahl des Osteners Karl-Heinz Brinkmann zum neuen 2. Vorsitzenden.

Die Nachwahl war durch den im April erfolgten Rücktritt von Jochen Bölsche erforderlich geworden, der sich seither auf seine Arbeit als Vizevorsitzender der AG Osteland konzentriert.

Turbulent ging es dagegen bei einem anderen Punkt zu: Gegen den erklärten Willen des Vorsitzenden Horst Ahlf, der seit einem Dritteljahrhundert amtiert, beschlossen die 47 anwesenden Mitglieder am Freitag mit übergroßer Mehrheit eine von Bölsche beantragte Satzungsänderung von vereinshistorischer Bedeutung.

Der Vorstand der "Fördergesellschaft zur Erhaltung der Schwebefähre Osten e. V." (die sich jetzt "... Schwebefähre Osten - Hemmoor e. V." nennt) wird von acht auf 15 Mitglieder erweitert, darunter vier stimmberechtigte Beisitzer sowie kraft Amtes der jeweilige SG- und der Stadtbürgermeister aus Hemmoor.

Damit wollen die Mitglieder, wie die zum Teil emotional geführte Debatte deutlich machte, Ahlfs Vorstand angesichts der vielen bevorstehenden Aufgaben (Festjahr zum 100-jährigen Bestehen, Fährmärkte, Weltkonferenz 2009 usw.) personell und strukturell stärken und verbreitern.

Verbinden, nicht trennen

Zugleich soll mit der Satzungsänderung die überörtliche Bedeutung und der verbindende Charakter der Fähre verdeutlicht werden, die zwar 1909 von der Gemeinde Osten gebaut worden war, seit 1974 aber dem Landkreis Cuxhaven gehört und bekanntlich mit zwei Beinen auf Hemmoorer Boden steht.

Dennoch gehörte dem Vorstand der Fördergesellschaft bislang laut Satzung lediglich der Ostener Bürgermeister kraft Amtes an, jedoch kein Vertreter Hemmoors.

Einen Antrag auf Namensänderung und Vorstandserweiterung hatte der damalige 2. Vorsitzende Jochen Bölsche bereits im Dezember 2005 (!) vorgelegt. Der 1. Vorsitzende unterließ es damals jedoch, den Antrag form- und fristgerecht allen Mitgliedern zuzustellen, so dass die Satzung in der Hauptversammlung 2006 aus juristischen Gründen noch nicht geändert werden konnte.

Stimmberechtigt oder nicht?

Dennoch beauftragte die Jahreshauptversammlung im Januar vorigen Jahres einmütig den Vorstand, die Namensänderung in "...Oste - Hemmoor" und die Vorstandserweiterung in die Wege zu leiten. (Unser Bericht über die damalige Versammlung steht hier.)

Im Vorstand fühlte sich jedoch offenbar nicht allzu eng an den erkärten Willen der Mitgliederversammlung gebunden, sondern gab zum Beispiel im Herbst für die Fährleute eine neue Diensttracht in Auftrag, die den Schriftzug "Schwebefähre-Osten" trägt.

Als Bölsche daraufhin im Dezember 2006 seinen alten Antrag auf Sätzungsänderung zur Hauptversammlung 2007 erneut einreichte, reagierte der Vorstand mit einem Gegenantrag.

Nach den Vorstellungen des Vorsitzenden Ahlf sollte der satzungsgemäße Vorstand nicht erweitert werden. Stattdessen war lediglich die Schaffung eines nicht stimmberechtigten "Beirats" vorgesehen; in diesen Beirat sollten auch die Hemmoorer Bürgermeister geschickt werden.

Immer "etwas schmalspurig"

Gegen dieses Vorgehen des Vorstandes wurde in der Mitgliederversammlung Widerspruch geäußert. Dem Ahlf-Argument, ein erweiterter Vorstand mit 15 Mitgliedern sei gar nicht arbeitsfähig, hielt Schützen-Präsident Wilfried Röndigs entgegen, sein Schützenvorstand umfasse ebenfalls 15 Mitglieder und arbeite durchaus erfolgreich.

Der Ostener Arzt Dr. Manfred Toborg unterstützte den Antrag auf Vorstandserweiterung mit dem Argument, ihm sei die bisherige Arbeit immer "etwas schmalspurig" vorgekommen.

Am Ende der Diskussion war die Stimmung in der Mitgliedschaft derart eindeutig, dass Ahlf in Erwartung einer Abstimmungsniederlage seinen Vorstandsantrag durch Schriftführerin Erika Borchers zurückziehen ließ.

Der Bölsche-Antrag, der daraufhin als einziger zur Abstimmung vorlag, wurde von der Mitgliederversammlung mit großer Mehrheit verabschiedet, bei wenigen Gegenstimmen und Enthaltungen.

"Damit sind die Weichen für die Zukunft richtig gestellt," beglückwünschte der Hemmoorer Samtgemeindebürger Dirk Brauer die Mitgliederversammlung. Brauer wies auf die große Bedeutung der Schwebefähre für die Stärkung des Tourismus in der gesamten Region hin.

Anerkennung für Brinkmann

Durch den im April erfolgten Rücktritt des bisherigen 2. Vorsitzenden Bölsche war eine Nachwahl erforderlich geworden. Die Versammlung stimmte einmütig für den Karl-Heinz Brinkmann, dessen Arbeit für den Fährmarkt, die Installation der Webcam und die Gestaltung von Website und Werbemitteln des Vereins allgemeine Anerkennung fand. In ihrem Amt als Rechnungsprüfer wurden Ewald Tietzel und Herbert Guthahn bestätigt.

"Warum Hemmoor eine Schwebefähre braucht"

Die Diskussion um die Benennung der Schwebefähre und den Kurs des Fährvereins ist nicht neu. Die Debatte war vor mehr als drei Jahren, im Herbst 2003, durch einen NEZ-Betrag ("Warum Hemmoor eine Schwebefähre braucht") angestoßen worden.

Am Beginn der Versammlung hatten Grußworte gestanden. Bürgermeister Hubert zeigte sich "glücklich und zufrieden" über die Wiederinbetriebnahme der Fähre im April, berichtete über den Ostener Stand auf der Grünen Woche ("toller Erfolg"), die Pläne zur Einrichtung eines Fähr-Besucherzentrums und den seit langem geforderten Fahrgastschiffanleger; er sei zuversichtlich, diese "leidige Angelegenheit" im Sommer zu einem "glücklichen Ende" zu führen.

Urkunde für die Ehrenfährfrau

Mit einer Flasche Wein und einer Gemeindeurkunde dankte Hubert der "Ehrenfährfrau" Birgit Greiner für deren Einsatz. Aus Anlass der aktuellen Debatten erinnerte der Bürgermeister an ein Wort des Ehrenvorsitzenden des Welt-Schwebefährenverbandes, des spanischen Königs Juan Carlos I: "Diese Schwebefähren gehören der gesamten Menschheit." - Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Claus Götjen, trat demonstrativ dem Fährverein bei.

Mit Präsenten dankte der Vorsitzende Ahlf seinem Ex-Stellvertreter Jochen Bölsche für dessen vierjährige Mitarbeit im Vorstand und seine Osteland-Aktivitäten sowie Irmgard Riedel stellvertretend für das Fährvereins-Team bei den Adventstreffen. Als 200. Mitglied wurde Thomas Ahders von der Getränkefirma Harlos geehrt. Der Galeristin Sigrid Beyer dankte Ahlf für eine Spende aus dem Erlös von Weihnachtskarten mit dem Motiv Schwebefähre.

Exzellente Kassenführung

In seinem Rechenschaftsbericht wies der Vorsitzende Ahlf darauf hin, dass 320 Busse im vorigen Jahr die Fähre besucht hätten. Besonderen Dank stattete er dem Altendorfer Fotokünstler Nikolaus Ruhl für dessen visuelle Präsentation der Fähre auf Postkarten und bei Messeständen ab ("könnte nicht besser sein") sowie auch den "vielen Helfern im Dorf".

Schatzmeister und Vize Peter Burmester berichtete über eine voll zufriedenstellende Kassenlage; die Rechungsprüfer bescheinigten ihm eine exzellente Kassenführung.

Der 2. Hemmoorer Samtgemeinde-Bürgermeister Johannes Schmidt - zugleich Nachfolger von Horst Ahlf im Amt des Vorsitzenden des Tourismusausschusses der Samtgemeinde - sprach sich für eine Aufwertung des Basbecker "Fährstücks" aus und schlug vor, dort Pulttafeln mit den Fotos der sieben übrigen Schwebefähren aufzustellen.

Schwerpunkt 100-Jahr-Feier

Am Ende der Veranstaltung stand ein Referat des AG-Osteland-Vorsitzenden Gerald Tielebörger, der die vielen Gemeinsamkeiten zwischen seinem Verein und dem Förderverein hervorhob. Erfreut zeigte sich Tielebörger, dass in vielen Tourismusregionen, auch im Cuxland und speziell in Hemmoor und Oberndorf - Zuwächse bei den Übernachtungszahlenerzielt wordén seien, die von den Verantwortlichen auf die Aktivitäten der AG Osteland zurückgeführt wurden.

"Höchste Priorität" für die AG Osteland habe die Mitgestaltung der 100-Jahr-Feier der Schwebefähre 2009, eines Jubiläums, das eine einmalige Chance biete, das gesamte Osteland in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken, sagte Tielebörger, der zum Schluss auch über seine Einladung nach Japan berichtete, wo er bei einem Symposion des Tokioter Verkehrsministeriums über die Einrichtung der - in Japan als beispielhaft empfundenen -  Deutschen Fährstraße sprach.

Jochen Bölsche