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Welterbe an Seilen

10.5.2006 taz Nord, Nord Aktuell

Seit Kaiser Wilhelms Zeiten schwebt sie wenige Meter über dem Nord-Ostsee-Kanal - immer hin und zurück. Jetzt fordern Kommunalpolitiker: Die Rendsburger Schwebefähre aus dem Jahr 1913 soll Weltkulturerbe werden. "Weltweit gibt es nur acht Schwebefähren", sagt etwa Rendsburgs Bürgermeister Andreas Breitner, "zwei davon in Deutschland." Sollten sie eines Tages ihren Betrieb einstellen, stünde eine ganze Verkehrstechnik vor dem Aus.

Deshalb möchten Breitner und sein Amtskollege Jörg Sibbel aus Osterrönfeld auf der anderen Seite des Kanals die Fähren von der internationalen Wissenschafts-, Bildungs- und Kulturorganisation Unesco als Welterbe anerkennen lassen.

Streng genommen schwebt eine Schwebefähre nicht: Der Rumpf hängt vielmehr an Seilen und überquert das Wasser, ohne es zu berühren. Vier Autos und 116 Fußgänger können bei jeder Fahrt über den 135 Meter breiten Nord-Ostsee-Kanal befördert werden. Rund 90 Sekunden dauert die Hängepartie.

Auf die Idee, die Schwebefähre als historisches Bauwerk auszeichnen zu lassen, kamen Breitner und Sibbel vor drei Jahren - auf einem Treffen des Weltverbandes der Schwebefähren im spanischen Bilbao. Zusammen mit den Amtschefs der niedersächsischen Orte Osten und Hemmoor, die die andere deutsche Schwebefähre verbindet, gründete das Bürgermeister-Duo inzwischen den "Arbeitskreis Deutsche Schwebefähren". "Die angestrebten Fördermittel", sagt Breitner, "wollen wir in Rendsburg und Osten insbesondere für den Ausbau der touristischen Infrastruktur nutzen." Neue Übernachtungsmöglichkeiten könnten entstehen, außerdem wollen die Bürgermeister ihre Technik-Meisterwerke auffallend beleuchten. Das kostet Geld: "Allein die Installationskosten betragen 100.000 Euro", hat Breitner kalkuliert.

Bei der Wiederinbetriebnahme der Schwebefähre in Osten berieten die vier norddeutschen Bürgermeister ihre nächsten Schritte. Das Ziel sei, sagt Breitner, "in diesem Jahr die Voraussetzungen für den Antrag zu erarbeiten". Christian Herbst