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Schwebefähre mit neuem Namen

28.01.2006

Jahreshauptversammlung 2006

Obwohl nur jedes zweite Mitglied aus Osten stammt, galt die Schwebefähren-Fördergesellschaft jahrzehntelang zu Unrecht als rein Ostener Verein und das nationale Baudenkmal als eine Art Ostener Besitz. Im 31. Jahr seines Bestehens hat sich der Verein, der seit der Gründung 1975 von dem Gastwirt Horst Ahlf geführt wird, jetzt demonstrativ geöffnet und der historisch gewachsenen Rivalität zwischen Osten und Hemmoor eine Absage erteilt.

>>> Einmütig beschloß die Jahreshauptversammlung mit einer Rekordbeteiligung von 50 Mitgliedern am Freitag in Ahlfs Ostener Fährkrug, die Fähre - die bereits seit über 30 Jahren im Besitz des Landkreises ist - im Vereinsnamen als "Schwebefähre Osten - Hemmoor" zu bezeichnen (vorher: "Schwebefähre in Osten"); damit folge der Verein dem internationalen Brauch, Fähren nach beiden Orten zu benennen, die sie verbinden, begründete der 2. Vorsitzende Jochen Bölsche seinen Antrag.

 >>> Ein weiterer von ihm gestellter Antrag, dem Vorstand solle kraft Amtes künftig nicht nur, wie bisher, der Bürgermeister von Osten angehören, sondern auch der jeweilige Hemmoorer Samtgemeindebürgermeister, erweiterte die Versammlung auf Empfehlung des Ostener Bürgermeisters Carsten Hubert um die Einbeziehung auch des jeweiligen Stadthemmoorer Bürgermeisters; einstimmig wurde der Vorstand beauftragt, eine entsprechende Satzungsänderung vorzubereiten.

 >>> Mit Blick auf zusätzlichen Arbeitsaufwand - im Zusammenhang mit der 100-Jahr-Feier der Fähre und der Schwebefähren-Weltkonferenz 2009, dem Aufbau eines Fährmuseums/Besucherzentrums, der Kooperation im Rahmen der Deutschen Fährstraße, des Ilek-Planungsprozesses und der Beteiligung an EU-Förderprogrammenwurde der Vorstand um vier Beisitzer erweitert, von denen drei aus Hemmoor stammen.

Mit Hemmoor-Power ins 2. Jahrhundert

Zu Beisitzern wählte die Versammlung einstimmig den Ostener Postbediensteten und Internet-Experten Karl-Heinz Brinkmann, den neuen Hemmoorer Ersten Samtgemeinderat Dirk Brauer, den Hemmoorer IG-Bahnhofstraßen-Vorsitzenden Curt Schuster und den Hemmoorer Spitzenbeamten Kay Kanthack. Alle vier sind übrigens zugleich Mitglieder des "Schwestervereins" AG Osteland.

"Ein Dorfvorstand kann das nicht mehr leisten"

Die Blutzufuhr durch das neue vierköpfige Top-Team wurde vom Vorsitzenden Ahlf begrüßt: Die Verstärkung erleichtere es, das nationale Baudenkmal in sein 2. Jahrhundert zu führen, es überregional verstärkt touristisch zu vermarkten und seine Erhaltung langfristig politisch abzusichern. Diese Arbeit habe, so Ahlf, "Dimensionen angenommen, die ein Dorfvorstand nicht mehr leisten kann".

Der Hemmoorer Ratsherr Johannes Schmidt begrüßte die Beschlüsse als "wichtige Botschaft an die Adresse Hemmoors, dass der Fluß aus Ostener Sicht nichts Trennendes mehr darstellen darf".

Guter Kassenstand, aber kein Geld

Alle bisherigen Vorstandsmitglieder waren zuvor pauschal und einmütig in ihren Ämtern bestätigt und für weitere drei Jahre gewählt worden: neben dem Vorsitzenden Ahlf und seinem Stellvertreter Bölsche auch Peter Burmester in seiner Doppelfunktion als 2. Stellvertreter und Schatzmeister, Erika Borchers als Schriftführerin, Erich Meyer als 2. Schatzmeister und Bärbel Zander als 2. Schriftführerin. Kassenprüfer bleiben Ewald Tietzel und Herbert Guthahn, der dem Schatzmeister saubere Arbeit bescheinigte.

Burmester hatte zuvor berichtet, dass sich das Spendenaufkommen vor allem durch die Aufrufe zur Illuminierung der Schwebefähre ("Die Oste leuchtet") auf insgesamt 7197 Euro vervielfacht habe. Allein durch die von der AG Osteland herausgegebenen Oste-Sondermarken der österreichischen Post seien 1688 Euro hereingekommen. Außerdem lägen Sachspenden-Zusagen für zwei Scheinwerfer vor.

Außer den sechs weiteren Scheinwerfern und der Verkabelung müsse der Verein dieses Jahr für die Umgestaltung der Gondel und des Umfeldes aufkommen, so dass er "zwar einen guten Kassenstand, aber eigentlich kein Geld" habe, erklärte Burmester und liess eine Spendendose herumgehen.

Zu Beginn der Versammlung hatte Ahlf seine Freude darüber ausgedrückt, dass nach Jahren "mal wieder" die Samtgemeinde Hemmoor in der Jahreshauptversammlung vertreten war. Der neue Erste Samtgemeinderat Dirk Brauer (vorher erfolgreicher SG-Bürgermeister im Sietland und demnächst parteiloser Kandidat für das Hemmoorer SG-Bürgermeisteramt) wurde nicht nur umgehend Mitglied der Fördergesellschaft, sondern erweckte mit seinem Grußwort auch den Eindruck, dass im Rathaus schon jetzt ein frischer Wind weht.

Die Schwebefähre, der "Eiffelturm des Nordens", müsse in die Werbung für die Samtgemeinde Hemmoor "ganz intensiv" einbezogen werden. Wenn die Fähre erhalten und gefördert werde, geschehe das nicht als Wohltat für Osten und Hemmoor, sondern zur Förderung der gesamten Oste-Region.

Eine Webcam für die Schwebefähre?

Am Rande der Versammlung schwärmte der neue Mann im Rathaus für die Idee, eine Webcam an der Schwebefähre zu installieren und mit den Live-Bildern die amtliche Samtgemeinde-Website www.hemmoor.de aufzuwerten.

Kay Kanthack als Vertreter der Stadt betonte die Bedeutung des Baudenkmals auch für Hemmoor, das, wie Brauer zuvor formuliert hatte, "so viele bedeutende Bauwerke ja nicht hat".

Für den Kreis erinnerte der SPD-Fraktionsvorsitzende Claus Johannßen daran, dass sein Ostener Fraktionskollege Herbert Guthahn "immer wieder für die Fähre getrommelt habe" und dass die Einwerbung von Fördergeldern und die positiven Beschlüsse der Kreisgremien ohne die Tüchtigkeit der Denkmalpflegerin Birgit Greiner kaum gelungen wären.

Die Ostener Heimatvereinsvorsitzende Erika Borchers unterstrich in ihrem Grußwort die traditionell gute Zusammenarbeit beider Vereine. Für die AG Osteland berichtete Vorsitzender Gerald Tielebörger über die "stürmische Entwicklung" seines zwei Jahre alten Vereins, der sich als "Schwester" der Fördergesellschaft versteht und seinen Mitgliederbestand im vorigen Jahr verdoppelt hat. Sogar in der Versammlung der Fördergesellschaft wurden Tielebörger Aufnahmeanträge für die AG Osteland zugesteckt - von Landkreis-Vertreterin Birgit Greiner, Architekt Hannes Wesch und Fährvereins-Vize Peter Burmester.

Ostens Bürgermeister Carsten Hubert drückte seine Freude darüber aus, dass es gelungen sei, "durch Einsatz aller Kräfte über alle Parteigrenzen hinweg" die Wiederinbetriebnahme der Fähre zu erreichen. Der Wunsch, ein Fährmuseum oder Besucherzentrum möglichst zur 100-Jahr-Feier 2009 einzurichten, müsse zum "Leitprojekt" im Rahmen des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzepts (Ilek) Kehdingen-Oste erhoben werden.

Vorsitzender Ahlf, der zugleich dem Tourismus-Ausschuß der Samtgemeinde vorsteht, bekräftige den Wunsch verstärkter Zusammenarbeit über den Fluß hinweg: "Hemmoor sollte sich mit seinem Highlight identifizieren." Ahlf bedauerte jedoch, dass der Stadthemmoorer Bürgermeister Grube sein Versprechen nicht eingehalten habe, in der sogenannten "jungen Stadt an der Oste" einen Schiffsanleger vorzuhalten.

Die Deutsche Fährstraße, so Ahlf, "zeigt bereits Wirkung" in Form von Vorbestellungen: "Das Telefon steht nie still." Fast 50 Bus- und ungezählte Radgruppen hätten für die nächsten Monate "fest gebucht".

In einer hochinformativen Fotopräsentation rief Landkreis-Bauamtfrau Birgit Greiner, verantwortliche Ingenieurin für die Sanierung, noch einmal die Zeit der Bauarbeiten in Erinnerung. Ab Ende Febraur sollen Fahrgaststand sowie Gondeldach und -verkleidung erneuert und die Scheinwerfer angebracht werden. Wenn das Wetter mitspiele, könnten diese Abschlußarbeiten Mitte April beendet sein: "Versprechen kann ich nichts."

Die Reihe der Berichte endete mit einer Bilderpräsentation des 2. Vorsitzenden Jochen Bölsche, der über die Weltschwebefähren-Konferenz 2005 in Rochefort informierte. Er plädierte dafür, von den Erfahrungen der Franzosen zu lernen: Unverzichtbar für eine touristische Aufwertúng der Fähre seien neben der jetzt gesicherten Illuminierung sowie einem repräsentativ gestalteten Umfeld und einem Besucherzentrum im Ostener Ortskern auch die Einbeziehung von Künstlern und Werbeprofis und eine bessere interkommunale und internationale Zusammenarbeit.

Eine Stärkung der Verbindung nach Hemmoor war bereits 2003 in dieser Stellungnahme gefordert worden.

Text und Fotos: Jochen Bölsche