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Nach Osten läßt sich wieder schweben

20.04.2006

Eine technische Rarität wurde gerettet

Am 21. April 2006 kann Landrat Kai-Uwe Bielefeld um 11.00 Uhr zur Jungfernfahrt der Schwebefähre nach Osten einladen. Möglich wurde die Sanierung der 1908/09 errichteten Schwebefähre durch die Hilfe vieler. Auch die in Bonn ansässige Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die durch ihren Ortskurator Hans-Werner Heitmann vertreten wird, unterstützte die Sanierung des in Deutschland einmaligen technischen Denkmals.

Die Schwebefähre über die Oste verbindet die durch das Flüsschen getrennten Gemeinden Hammoor und Osten. Die Überwindung der Oste an der bereits historisch wichtigen Straßenverbindung von Wischhafen an der Elbe ins Binnenland kann bis ins Mittelalter nachgewiesen werden. Der rege Schiffsverkehr, die von Ebbe und Flut beeinflußten hohen Wasserstände, Stürme und Eisgang führten jedoch zu häufigen Störungen. Statt einer teuren Brücke beauftragte die Gemeinde Osten 1905 die Firma MAN mit der Ausführung einer stählernen Schwebefähre.

Im Wesentlichen besteht die Anlage aus einem Traggerüst in genieteter Stahlfachwerkkonstruktion, in dessen Hauptträger das Radgestell der abgehängten Fähre als Gondel verkehrt. Die ca. 21m hohe Konstruktion überspannt die Oste mit 80m Stützweite und leitet die Kräfte über zwei gespreizte Portalkonstruktionen in pfahlgegründete Betonauflager. Die Tragkonstruktion der eigentlichen Gondel erfolgt mittels Elektroantrieb, der bereits 1920 von Gleichstrom auf Drehstrom umgestellt wurde. 1939 wurde durch Verstärkung des Fachwerks die Tragfähigkeit von 12t auf 14t und 1966 um weitere 4t auf 18t erhöht. 1974 schließlich wurde der Betrieb auf Grund eines Brückenneubaus über die Oste eingestellt. Ein Förderverein erhielt den Betrieb zu touristischen Zwecken bis zur Stilllegung 2001 aufrecht.

Die Ostener Schwebefähre gehört weltweit zu den letzten acht ihrer Art und ist einzigartig in Deutschland. Entwickelt wurde dieser Typ von beweglicher Brücke im ausgehenden 19. Jahrhundert, um den zunehmenden Landverkehr ohne Behinderung des Schiffverkehrs über Flüsse zu führen. Die ausschließlich im Flachland errichteten Bauwerke hatten gegenüber festen Brücken den Vorteil, ohne kostenintensive Rampen eine vergleichsweise hohe Durchfahrtshöhe für Schiffe zu ermöglichen. Mit dem die Kapazität dieser Konstruktionen überfordernden exponentiell anwachsenden Landverkehr und die Umstellung der Schiffsantriebe auf Dieselmotoren verringerte sich die Aufbauhöhe der Schiffe, so dass der eingangs beschriebene Vorteil nicht lange währte. 1916 wurde die letzte Schwebebrücke in Großbritannien gebaut.

Das niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege begründet mit dem auch im weltweiten Kontext betrachteten Seltenheitswert die nationale Bedeutung des Objekts. Entsprechende Konstruktionen in Spanien, Frankreich und Großbritannien wurden dem ICMS bereits als Weltkulturerbe vorgeschlagen. Die Schwebefähre ist eines von 142 Förderprojekten der Stiftung in Niedersachsen, die sie dank privater Spenden und Mitteln der Fernseh-Lotterie GlücksSpirale mit rund 9,4 Millionen Euro unterstützen konnte.

Bonn, den 20. April 2006/Schi

 

Quelle: Deutsche Stiftung Denkmalschutz
http://www.denkmalschutz.de/522.html