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Die Schwebefähre in Osten

Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz, 4. April 2006

(DSI) Eine äußerst ungewöhnliche technische Konstruktion findet sich in dem kleinen Ort Osten im Landkreis Cuxhaven: eine Schwebefähre. Schwebefähren sind vom Grundsatz her der Baugattung der beweglichen Brücken zuzurechnen wie beispielsweise Dreh-, Klapp- oder Hubbrücken. Die Schwebefähren stellen hierbei jedoch einen besonderen Typus dar, da sie weltweit bisher nur in 20 Exemplaren gebaut wurden. Bis heute existieren nur noch acht dieser Bauten.

Die ersten Schwebefähren entstanden im ausgehenden 19. Jh. im Zuge der Lösung der Probleme des enorm anwachsenden Fahrzeugverkehrs. Nun mussten auch schiffbare Flüsse bzw. Gewässer überquert werden ohne den Schiffsverkehr zu behindern. Da normale wassergängige Fähren in Zeiten von Hochwasser oder Eisgang ihren Verkehr einstellen mussten und feste Brückenbauten in der Regel nicht ausreichende Durchfahrtshöhe für Schiffe zu bieten hatten, entstand die Idee der Kombination einer Fähre und Brücke an viel befahrenen Schifffahrtswegen.

Im ausgehenden 19. Jh. wurden die ersten Schwebefähren errichtet (1893 in Bilbao/Spanien, 1899 in Rouen/Frankreich). 1909 folgte in Osten die Schwebefähre zur Überquerung des in die Elbe mündenden Flusses Oste. Der anwachsende Verkehr auf der zur Elbe führenden Straße von Bremervörde nach Wischhafen und der Transportverkehr auf der Oste ließen die Lösung mit einer Schwebefähre als beste von mehreren geprüften Varianten erscheinen. Die von der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN) und der AEG in Berlin errichtete Anlage wurde von einem Schüler Gustav Eiffels, dem Berliner Ingenieur Louis Pinette geplant und errichtet. Die Stahl-Fachwerk-Konstruktion besteht aus vier Stützen an den beiden Uferseiten, die einen Hauptfachwerkträger über dem Fluss tragen. An diesem Träger ist eine Fahrgondel aufgehängt, die sich mittels Motorkraft fortbewegen kann. Fahrzeuge und Personen können von beiden Uferseiten direkt auf die Fahrplattform gelangen und werden ans andere Ufer transportiert.

Die fast 100 Jahre alte Stahlkonstruktion mit ihrer Mechanik und Elektrik war nach mehreren Zwischenrestaurierungen im Jahre 2002 so schadhaft geworden, dass eine Außerdienststellung der noch für den Touristenverkehr in Betrieb befindlichen Fähre erforderlich wurde. Gleichzeitig wurden Anstrengungen unternommen, eine durchgreifende Restaurierung der Anlage durchzuführen, die mit Unterstützung von Bund, Land und verschiedenen Institutionen und Sponsoren im Jahre 2004 begonnen wurde und 2006 abgeschlossen sein wird.

Damit wird eines der ungewöhnlichsten Verkehrsmittel in Niedersachsen und auch in der Bundesrepublik wieder in Funktion gebracht werden. Die Schwebefähre in Osten ist ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung. Sie wurde aus dem Denkmalpflegeprogramm des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.
 

Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz