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Spanischer König rettet den Eiffelturm des Nordens

13.08.2004

In Niedersachsen wird jetzt eine der letzten acht Schwebefähren der Welt restauriert - dank Juan Carlos I.

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Audienz in Spanien:
Juan Carlos I. mit Bauamtfrau Birgit Greiner,
Vertreterin der Schwebefähre in Osten (r.)

Das kleine niedersächsische Dorf Osten (Landkreis Cuxhaven) ist dem spanischen König Juan Carlos I. zu tiefstem Dank verpflichtet. Der leidenschaftliche Einsatz des Monarchen für den Denkmalschutz hat entscheidend dazu beigetragen, dass von der kommenden Woche an mit der Restaurierung eines Baudenkmals begonnen werden kann, das viele schon aufgegeben hatten: Eine vor drei Jahren stillgelegte, 95 Jahre alte so genannten Schwebefähre, erbaut von Louis Pinette, einem Schüler des Eiffelturm-Konstrukteurs Gustave Eiffel, soll Ende Oktober wieder über dem Fluß Oste schweben.

Der "Eiffelturm des Nordens", wie die Fährbrücke wegen ihrer Stahlfachwerk-Bauweise genannt wird, war bei der Eröffnung 1909 im Kaiserreich als "achtes Weltwunder" gefeiert worden. 65 Jahre lang beförderte eine Gondel, die in Straßenhöhe über dem Fluß schwebt und an einem 30 Meter hohen Gerüst hängt, Personen und Fahrzeuge sicher von Ufer zu Ufer - auch bei Eisgang, Hoch- und Niedrigwasser.

Als 1974 eine neue Straßenbrücke die Funktion der vom Verkehr überlasteten Schwebefähre übernahm, sollte die "eiserne Lady" dem Schneidbrenner zum Opfer fallen. Doch eine Bürgerinitiative verhinderte den drohenden Abriß. Die Schwebefähre wurde als erste ihrer Art weltweit zum Baudenkmal erklärt und stand fortan Touristen für Demonstrationsfahrten zur Verfügung - bis das filigrane Monster im Herbst 2001 wegen Baumängeln vom TÜV stillgelegt wurde.

Die Hoffnung, Geldgeber für eine Restaurierung zu finden, deren Kosten auf 1,1 Millionen Euro veranschlagt werden, hatte der strukturschwache Landkreis Cuxhaven als Eigentümer der Fähre fast schon aufgegeben. Erschwerend kam hinzu, dass die idyllische Oste, mitten im abgeschiedenen Elbe-Weser-Dreieck, überregional kaum bekannt ist.

In dieser Situation kam den verzweifelten Fährfreunden voriges Jahr der spanische König zu Hilfe. "Es war wie im Märchen", sagt ein örtlicher Denkmalschützer.

Juan Carlos hat ein Herz für Schwebefähren. Die weltweit erste ihrer Art war 1893 in Portugalete bei Bilbao gebaut worden; die Spanier sind auf das Bauwerk noch heute ähnlich stolz wie die Franzosen auf ihren Eiffelturm. Da lag es nahe, dass der Monarch vorigen Herbst zusagte, die Ehrenpräsidentschaft des neu gegründeten Weltverbandes der Schwebefähren zu übernahmen.

Bei einer Audienz im Zarzuela-Palast bei Madrid appellierte der König an die Vertreter der weltweit nur noch acht (von einstmals mehr als 20) Verkehrsmittel dieser Art, die stählernen Zeugen einstiger Ingenieurskunst zu erhalten: "Diese Brücken gehören der gesamten Menschheit." Schwebefähren gibt es außer in Spanien und Deutschland nur noch in Großbritannien, Frankreich und Argentinien.

Der royale Appell und das starke Medienecho, das er auslöste, blieben nicht ohne Wirkung. "Seitdem haben wir politischen Rückenwind", sagt die Denkmalschützerin des Landkreises Cuxhaven, Bauamtfrau Birgit Greiner, die dem König in Madrid mit einem Hofknicks ein Bild der Ostener Fähre überreicht hat. Die Audienz habe "enorm viel in Bewegung gebracht", bestätigt der Ostener Bürgermeister Carsten Hubert, der ebenfalls mit zum König gereist war.

Wenige Monate nach dem Appell aus Spanien setzte das Bundeskanzleramt die Schwebefähre - aufgrund eines Gutachtens des niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege - auf die Liste der national bedeutsamen Baudenkmale. Die hannoverschen Denkmalpfleger regten an, die Ostener Fährbrücke nach dem Vorbild der "Mutter aller Schwebefähren" in Bilbao für das Unesco-Welterbe zu nominieren. Mehr als ein halbes Dutzend Geldgeber - von der Gemeinde über Kreis, Land und Bund bis hin zu diversen Stiftungen und zur EU - gaben schließlich Finanzierungszusagen.

Mittlerweile gilt die Schwebefähre über der Oste als künftiger Touristenmagnet. Mit dem Slogan "Frohe Fährien im frischen Norden" wird sie als Wahrzeichen der im Mai eröffneten jüngsten deutschen Ferienstraße beworben: Die 250 Kilometer lange "Deutsche Fährstraße", die von der Oste zur Ostsee führt, verbindet 20 Brücken und 20 Fähren - darunter auch die zweite deutsche Schwebefähre, die zwischen Rendsburg und Osterrönfeld über dem Nord-Ostsee-Kanal pendelt.

Rendsburg und Osterrönfeld feiern am 12. September mit einem landesweiten Festakt das 90-jährige Bestehen ihrer Schwebefähre. Am 1. Oktober 2009 wird die "große Schwester" in Osten hundert Jahre alt.

Dann sollte die Post, wünschen sich die Fährfreunde im Elbe-Weser-Dreieck, dem "Eiffelturm des Nordens" eine Sondermarke widmen. Zu den Feierlichkeiten will die Fördergesellschaft zur Erhaltung der Schwebefähre natürlich auch den spanischen König in das kleine Dorf im Osteland einladen.

Pressemitteilung von: AG Osteland e.V.