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Fährtaxen 19. Jahrhundert

Wieviel früher bei Oste-Überquerung bezahlt werden mußte

Im vorigen Jahrhundert hatten die Fähren, anders als heute mit ausgebautem Verkehrsnetz und schnellen Autos, große Bedeutung für die Bevölkerung. Es gab Haupt-und Nebenfähren, die eine von der Obrigkeit festgelegte Fährordnung und Fährtaxe hatten.
Daß das Übersetzen auch eine beliebte Nebeneinnahme darstellte, geht aus den vielen Beschwerden der offiziellen Fährinhaber hervor, die gern Gelegenheitsfährdienste leisteten, um sich etwas hinzuzuverdienen. Was mußte nun überhaupt für das Übersetzen bezahlt werden?

Die Taxe für das Kirchspiel Oberndorf von 1859 kennt zunächst einmal grundsätzlich das Sommerhalbjahr vom 1. März bis zum 1. November, in dem eine Person mit oder ohne Last einen halben Groschen bezahlen mußte. In der Winterzeit vom 1. November bis zum 28. bzw. 29. Februar betrug der Preis das Doppelte. Bei den Tieren sprach man von den beschlagenen und unbeschlagenen Pferden, beide mußten 1 1/2 Groschen bezahlen. Das gleiche kosteten Kuh, Ochse und Rind. Schwein, Schaf, Ziege und Kalb waren billiger, nämlich nur einen halben Groschen.

Ein einspänniger Wagen mit Personen wurde für 5 bis 6 Groschen transportiert, Zwei- und Vierspänner für 6 bis 8 Groschen. Ein Cabriolet war mit drei Groschen vergleichsweise billig. Hochzeitsgesellschaften und Trauerzüge wurden für eine Pauschale übergesetzt. Sie betrug für Bräutigam, Braut und Gefolge oder für eine Leiche über 14 Jahre mit Trägern und Gefolge einen Reichstaler, für eine Leiche unter 14 Jahren 15 Groschen.

Damit war offenbar alles erfaßt. Es gab aber noch einige Zusatzbestimmungen. Die Rückkehr war für Viehtreiber am gleichen Tage frei. Das galt aber nicht für Wagen. Nachts mußte doppelte Taxe bezahlt werden. Ein Eisübergang mit Begleitung kostete soviel wie eine Wasserfahrt. Schulkinder bekamen keine Ermäßigung, nur wenn sie zur Kinderlehre wollten, wie alles, was zum Gottesdienst wollte, frei war. Auch von »anerkannt armen Leuten« wurde nichts verlangt.

Ein kurzer Blick noch weiter zurück nach Hechthausen 1820 zeigt, daß die Taxe sich in ihren einzelnen Positionen den jeweiligen Verkehrsansprüchen anpaßte, ebenso wie sich der Preis am allgemeinen Geldwert ausrichtete. Diese Taxe trennt vier Hauptgruppen: Fuhrwerke, Reiter, Fußgänger und Vieh. Wagen aus dem heimischen Kirchspiel bezahlten 2 Groschen, aus Lamstedt und Basbeck 2 Groschen und 6 Pfennig, andere 3 Groschen, bei Eisgang doppelt. Bei den Reitern wurde hier auch zwischen beschlagenem und unbeschlagenem Pferd unterschieden.

Fußgänger bezahlten in der Nacht und im Winterhalbjahr, das hier von Michaelis bis Ostern gerechnet wurde, das Doppelte. Die Rückkehr »bey nemlichen Sonnenschein«, d.h. am gleichen Tage, war frei. Ebenso galt dies für einen Viehtreiber, wenn er mehr als zwei Tiere übersetzen ließ. Die Taxe schließt mit folgender Bemerkung: »Eigentliche Kriegerwaisen sind frey, sonstige Landfolge und ähnliche unentgeltliche Fuhren ingleichen alle Reiseboten passieren für die Hälfte des Fährgeldes.« Damit ist zugleich ein Licht auf die politische Situation unserer Heimat geworfen.

Der Kuriosität halber sei noch etwas aus den Befreiungen der Fähre Dingwörden 1912 angefügt. Diese Fähre bildete den Übergang zu einem Außendeich ohne Häuser, der nur als Grünland genutzt wurde, und transportierte nur Vieh und Heu. Hier brauchten ausdrücklich nicht zu bezahlen: Der König, Mitglieder des königlichen und des fürstlichen Hohenzollernschen Hauses, sowie Fuhrwerke, die zu den Hofhaltungen des königlichen Hauses oder der fürstlichen Häuser Hohenzollern gehören. Es ist nicht in den Akten vermerkt, daß der deutsche Kaiser jemals diese Fähre benutzt hat.

Quelle: NEZ, Dezember 1982