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Die Schwebefähre

Vom Verkehrsmittel zum Wahrzeichen

- es ist keine Bildbeschreibung verfügbar -Als die Motorisierung das Verkehrswesen völlig umgestaltete und einen großen Teil des früher der Eisenbahn und dem Schiffsverkehr zugehörigen Transportwesens auf den Lastkraftwagen und somit auf die Landstraße verlegte, trat die Unzulänglichkeit der Prahmfähre immer mehr in Erscheinung. Sie war den erhöhten Anforderungen nicht mehr gewachsen. Diese Schwierigkeiten wurden durch den ständig schwankenden Wasserstand der Oste, durch Stürme und besonders durch den Eisgang im Winter erhöht. Deshalb gingen die Bestrebungen der nächstgelegenen Ufergemeinden, besonders aber unserer Gemeinde Osten, seit einer Reihe von Jahren zunächst dahin, die Prahmfähre durch eine feste Brücke mit Drehöffnung zu ersetzen. Allmählich stellte sich aber heraus, daß eine solche zu hohe Baukosten erfordern und dem regen Verkehr durch die bedeutenden Zeitverluste bei der Bedienung der Drehbrücke nicht entsprechen würde. So kam man zu dem Plan, eine Schwebefähre zu bauen.

- es ist keine Bildbeschreibung verfügbar -Ein heikles Problem war die Finanzierung des Vorhabens. Verhandlungen mit der Nachbargemeinde Altendorf führten zu keinem Ergebnis. Es zeugt von dem festen Unternehmungsgeist der Ostener jener Zeit, daß sie sich von dem gefaßten Plan nicht abbringen ließen, auch als Jahre über die Vorarbeiten vergingen, Jahre, die Erfolge, aber auch Enttäuschungen brachten.

In der Gemeindeausschuß-Sitzung vom 10. 5. 1899 faßte man den Beschluß, eine Schwebefähre zu bauen. Schon an den Vorbereitungen beteiligten sich der Landrat Freiherr von Schröder und der Wasserbauinspektor Abraham in besonderem Maße. Sie waren es, die der Ostener Gemeindevertretung und dem Gemeindevorsteher W. A. Lohse mit Rat und Tat zur Seite standen und den manchmal stagnierenden Vorarbeiten immer wieder neue Impulse gaben.

Es gelang, die Samtgemeinde, den Kreis, aber auch die Provinz und das Reich für die Unterstützung des großen Projekts und seine Durchführung zu gewinnen. Damit wurde unsere Gemeinde in die Lage versetzt, mit der Ausführung der großartigen Anlage zu beginnen, die auch dann noch ein erhebliches Risiko bedeutete.

- es ist keine Bildbeschreibung verfügbar -Mit dem letzten Fährbesitzer Claus Drewes wurde ein Abkommen dahin getroffen, daß ihm für sein Fährprivileg eine Abstandssumme von 80000,- Mark bewilligt wurde. Dazu kamen für den Maschinenhausplatz 1500,- Mark, Entschädigung für Prahmbenutzung 600,- Mark, Kaufsumme für einen Kahn 150,- Mark, desgleichen für Taue usw. 179,- Mark, so daß insgesamt 82429,- Mark an Drewes zu zahlen waren.

Die Verhandlungen mit verschiedenen Maschinenfabriken und Brückenbaugesellschaften führten zu dem Ergebnis, daß der Bau der Eisenkonstruktion und der Fundamente der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg, Werk Gustavsburg, übertragen wurde. Mit der Ausführung der elektrischen Anlage wurde die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft Berlin beauftragt. Als Bauleiter wurde der Diplom-Ingenieur Pinette aus Berlin eingestellt. Er erhielt ein monatliches Gehalt von 350,00 Mark, zuzüglich einer Bauzulage von 100,00 Mark monatlich während der eigentlichen Bauzeit.

Die Gesamtkosten für den Bau der Schwebefähre einschließlich aller Nebenkosten betrugen rund 280000,- Mark. Diese für eine Gemeinde von 600 Einwohnern sehr hohe Summe wurde durch Darlehen aufgebracht, die die Gemeinde vom Kreis Neuhaus (Oste) bzw. bei der Sparkasse der Samtgemeinde Osten und privaten Geldgebern aufnahm.

- es ist keine Bildbeschreibung verfügbar -Der Bau begann im Frühjahr 1909. Zug um Zug rollte das Material heran. Da der Platz für seine Lagerung in Osten sehr knapp war, nahm man das "Fährstück" zu Hilfe. Auf dem Deich wurde das Maschinenhaus errichtet. Das Grundstück hierfür kaufte die Gemeinde für 1500,- Mark von Claus Drewes. Der Bau wurde der Firma Thumann und Diercks in Osten, die Maurerarbeiten dem Maurermeister Johann Schulze in Osten übertragen. Die am 10. 7. 1908 festgelegten Bautermine konnten beim Bau der Schwebefähre nicht eingehalten werden. Danach sollten die Pfeiler bis zum 15. 11. 1908 fertiggestellt, die ganze Fähre am 1. 7. 1909 betriebsfertig sein.

Da sich der Baubeginn bis zum Frühjahr 1909 hinzog, konnte das Bauwerk erst am 1. 10. 1909 seiner Bestimmung übergeben werden. An diesem Tage fand auf dem Basbecker Ufer eine Einweihungsfeier statt, zu der vom Oberpräsidenten der Provinz angefangen alle prominenten Vertreter der Verwaltung usw. eingeladen wurden, allerdings nicht alle erschienen waren.

Ein Festmahl im Saale des "Ostener Hof" (Eigentümer Heinrich Sundermeier) krönte die Festlichkeit. Ein Opfer war beim Bau zu beklagen. Der Schlosser Strohhecker der MAN verunglückte bei der Arbeit tödlich. Der Betrieb dieser einzigartigen Schwebefähre - amtlich Schwebebahn genannt - gestaltete sich trotz der hohen Instandhaltungskosten und Betriebskosten stets rentabel. Der besonders nach dem Zweiten Weltkrieg heftig angestiegene Straßenverkehr führte zu guten Überschüssen. So wurde z. B. im Jahre 1957 ein Reingewinn von rund 31 300,- DM und im Jahre 1962 solcher mit rund 34800,- DM ausgewiesen. Nur wenig geringer profitierte der Staat von dem Betrieb der Schwebefähre aus Körperschaftssteuer.

Im Jahre 1966 wurde der untere Teil der Fährgondel erneuert, infolge des technischen Überwachungsbefundes (TÜV). Es entstanden rund 170000,- DM Kosten. Aufgrund des Vertrages über die Auflösung des Fährrechts im Jahre 1965 flossen der Gemeinde Osten von der Bundesregierung (die Oste ist Bundeswasserstraße) 300000,- DM und vom Landkreis als Entschädigung die Summe von 125000,- DM zu; mit der Auflage, dieses Geld für die Strukturentwicklung der Gemeinde zu verwenden.

Letzte FahrtNachdem die in den Jahren 1969 - 1974 erbaute Brücke bei Osten (B 495) am 30. Mai 1974 für den Verkehr freigegeben war, ist am Tage darauf die Fähre für den öffentlichen Verkehr stillgelegt worden. Im Jahr darauf übernahm der Kreis Land Hadeln die Schwebefähre als Eigentum. In den Jahren 1975/76 ist das Fährgerüst gründlich überholt, nach Sandstrahlung und Farbanstrich für etwa 10 Jahre konserviert worden. Kosten rund 235000,- DM.

Am 17. Oktober 1975 wurde im Hotel "Fährkrug" zu Osten die "Fördergesellschaft zur Erhaltung der Schwebefähre Osten e.V." gegründet. Der Landeskonservator bei der Regierung in Lüneburg stellte fest, daß die Schwebefähre ("Schwebebahn") in Osten ein »technisches Baudenkmal« ist.

Der Kreistag faßte in seiner Sitzung vom 23. Juni 1975 den Beschluß, die "Schwebebahn Osten" als technisches Baudenkmal in die Trägerschaft (Eigentum) des Kreises Land Hadeln zu übernehmen, der mittlerweile im Landkreis Cuxhaven aufgegangen ist.